Aus dem Haus

All That Jazz: Aktuelle Musik-Tipps von unserem Jazz-Team

  • 29.06.2014
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In den vergangenen Wochen gab es einige News in der Jazz-Welt: Hardbop-Pionier Horace Silver ist mit 85 Jahren gestorben. Und Manu Katché, einer der weltbesten Drummer, wechselt vom Label ECM zu ACT. 

 

Natürlich gab es auch wieder viele spannende neue Veröffentlichungen zu entdecken. Die wichtigsten präsentieren wir Ihnen in unserem aktuellen Jazz-Newsletter vor - persönlich von uns zusammengestellt und bewertet. Alle Empfehlungen finden Sie in unserer Jazz-Abteilung. Kommen Sie doch bald mal wieder vorbei. Wir freuen uns auf Sie! 



UNSERE EMPFEHLUNG

Keith Jarrett, Charlie Haden / Last Dance / ECM (Universal) / 1 CD / € 17,99 

Seit Jahrzehnten arbeitet Keith Jarrett hauptsächlich in zwei Formaten: solo oder im Trio mit Gary Peacock und Jack DeJohnette - letzteres vorzugsweise live. Studioaufnahmen scheut der Maestro, die Zusammenarbeit mit anderen Musikern ebenfalls. Es war daher fast eine Sensation, als 2010 "Jasmine" erschien: Ein Album mit Jazzstandards der ersten Kategorie, eingespielt in Jarretts hauseigenem Cavelight Studio zusammen mit dem Bassisten Charlie Haden, der zuletzt in den 70er Jahren in verschiedenen Formationen mit Jarrett aufgetreten ist. Entstanden waren die Aufnahmen drei Jahre zuvor, als ein Treffen anlässlich einer Filmproduktion über Haden in eine informelle viertägige Aufnahmesession mündete. "Last Dance" bietet nun sieben weitere Titel aus diesen Sessions sowie alternative takes von "Goodbye" und "Where Can I Go Without You". Alle Qualitäten von "Jasmine" findet man auch auf "Last Dance" wieder: Jarretts Spiel ist entspannt, fast befreit und Haden platziert mit sparsamer Präzision jeden Ton perfekt. Ein wunderschönes und intimes Album, dessen Titel hoffentlich nicht programmatisch ist. 

Sehen Sie hier den Albumtrailer zu "Jasmine".

UNSERE EMPFEHLUNG

David Weiss / When Words Fail / Motema Music (Membran) / 1 CD / € 15,99 

2013 war für den großartigen New Yorker Trompeter David Weiss ein Jahr voller Tragik und Verlust in Familie, Freundeskreis und in der Jazz-Community. Also tat Weiss, was große Künstler angesichts der schmerzhaften Realitäten von Leben und Tod zu tun pflegen: Er transportierte seine Emotionen in die Musik. "When Words Fail" ist erstaunlicherweise kein Werk der traurigen und leisen Töne geworden, sondern eine unmittelbare, kathartische Feierstunde des (Über)lebens. Unterstützt von einem fantastischen Quintett mit u.a. Myron Walden am Altsaxophon gelingt Weiss eine hochintensive und zutiefst berührende musikalische Auseinandersetzung mit Trauer und Schmerz, aber auch Hoffnung und Wiederkehr. Gewidmet ist das Album dem Bassisten des Quintetts, Dwayne Burno, der nur wenige Wochen nach Beendigung der Aufnahmen einer Lungenentzündung erlag. 

Klicken Sie hier für "The Making of 'When Words Fail'"

UNSERE EMPFEHLUNG

Henry Butler, Steven Bernstein and the Hot 9 / Viper's Drag / Impulse! (Universal) / 1 CD / € 19,99 

Noch ein umtriebiger New Yorker Trompeter! Steven Bernstein lief in Brooklyn vor einiger Zeit dem Pianisten Henry Butler über den Weg. Dem hatte der Hurrikan Katrina in dessen Heimstadt New Orleans Haus und Klavier versenkt. Butler und Bernstein kannten sich aus den späten 90ern, als Bernstein die Musik für Robert Altmans Gangster-Jazzstreifen "Kansas City" produziert hatte. Schnell war eine Formation gut gelaunter Profis zusammengetrommelt, die den alten Kumpel bei Clubgigs begleitete. Die wilde Mischung aus swingendem New Orleans Jazz und Ragtime mit schrägem New Yorker Funkjazz war bald "talk of the town" und kulminiert nun in einem Album, das Universal zu einem Relaunch des legendären Labels Impulse! veranlasste. Tradition trifft Innovation auf allen Ebenen! 

Hier geht es zum Albumtrailer von "Viper's Drag".

UNSERE EMPFEHLUNG

Jacob Young / Forever Young / ECM (Universal) / 1 CD / € 19,99 

Das neue Projekt des hochtalentierten norwegischen Gitarristen Jacob Young entstand quasi hinter seinem Rücken. Anlässlich des Oslo Jazz Festivals 2012 übernachtete der polnische Pianist Marcin Wasilewski bei dem Saxophonisten Trygve Seim und entdeckte auf dessen Klavier Notenblätter mit Kompositionen, die Young und Seim geprobt hatten. ECM-Chef Manfred Eicher ermunterte die Labelkollegen zur weiteren Zusammenarbeit. So entstanden 2013 im renommierten Osloer Rainbow Studio die vorliegenden Aufnahmen von Young und Seim gemeinsam mit Wasilewskis Weltklassetrio. Der etwas plumpe Albumtitel steht im krassen Gegensatz zum delikaten Zusammenspiel der fünf Musiker. Auf der Basis einfacher, fast folkiger Melodien verflechtet das Quintett improvisatorische Figuren von faszinierender Klarheit. Youngs Gitarre, ob akustisch oder elektrisch, orientiert sich immer am Spiel seiner hochkarätigen Mitmusiker. Meiner Meinung nach die bisher beste ECM-Veröffentlichung des Jahres 2014. 

Klicken Sie hier, um in das Album hinein zu hören.

DER BRAZIL-JAZZ-KLASSIKER

Antonio Carlos Jobim / Stone Flower / CTI (Sony) / 1 CD / € 7,99 

Antonio Carlos "Tom" Jobim ist zweifellos einer der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Wenn Brian Wilsons Surfmusik Kalifornien definierte und Bob Marleys Reggae Jamaika auf die musikalische Weltkarte brachte, erschuf Jobim mit der Bossa Nova unsere akustische Vorstellung von Brasilien. Ganz nebenbei eröffnete er der Jazz-Community einen coolen Abzweig von den Standards des Tin Pan Alley und schrieb mit "Girl from Ipanema" oder "Desafinado" generationsübergreifende Klassiker. Jobims Diskographie reicht von den frühen Hitplatten über Kritikerlieblinge wie den Fahrstuhlmusikklassiker "Wave" bis zu den verstörenden avantgardistischen Orchestersuiten von "Urubu". Mein Favorit ist und bleibt aber "Stone Flower". Erschienen 1970, im Jahr des dritten WM-Triumphs der brasilianischen Fußballnationalmannschaft, offeriert das Album keine Hits oder Klassiker, sondern neun Brazil-Jazz-Perlen, eingespielt mit Größen wie Ron Carter, Hubert Laws und Airto Moreira. Arrangiert wurde "Stone Flower" vom damals 27-jährigen Eumir Deodato, der wenig später mit seinen Jazzadaptionen klassischer Themen von Strauss ("Zarathustra") oder Debussy selbst zum Weltstar wurde. Jobims "Kind of Blue".

VIER, DIE SIE KENNEN SOLLTEN 

Zum 50. Todestag von Eric Dolphy Eric Dolphy, einer der wichtigsten und einflussreichsten Musiker des modernen Jazz, starb am 29. Juni 1964 in Berlin. Aus Anlass seines 50. Todestags kommen hier meine Erinnerungen in 4 CDs: 

1) Eric Dolphy / The Illinois Concert / Blue Note (Universal) / 1 CD / € 9,99 

2) Eric Dolphy / Out to Lunch / Blue Note (Universal) / 1 CD / € 7,99 

3) Potsa Lotsa / The Complete Works of Eric Dolphy / Jazzwerkstatt / 1 CD / € 19,99 

4) Ken Vandermark / C.O.D.E. play the music of Ornette Coleman and Eric Dolphy / Cracked (Fennmusic) 1 CD / € 17,99 

Übrigens: Der 20. Juni 2014 war ein wichtiger Termin für Jazz-Liebhaber: Im RBB-Sendesaal trafen sich zahlreiche Musiker, zum Teil ehemalige Wegbegleiter von Eric Dolphy, für das Memorial-Konzert "So Long, Eric !".
Mehr über Eric Dolphy finden Sie auf der Künstler-Website.
Ihr Janos Ujvideki, Mitarbeiter in der Jazz-Abteilung

BUCH-TIPP

Daniel Martin Feige / Philosophie des Jazz / Suhrkamp / 142 S. / € 14,00 

Was ist Jazz? Wie unterscheidet er sich von anderen Arten von Musik? Und inwieweit handelt es sich bei ihm um einen besonders interessanten Gegenstand für das Nachdenken über ästhetische Fragen? Dieses Buch stellt die erste philosophische Auseinandersetzung dar, die sich dem Jazz widmet. Daniel Martin Feige geht darin der Frage des Verhältnisses zwischen Jazz und europäischer Kunstmusik nach und untersucht den Zusammenhang zwischen Musiker und Tradition sowie zwischen Werk und Improvisation. Dabei lässt er sich von der originellen These leiten, dass erst im Jazz zentrale Aspekte musikalischer Praxis überhaupt explizit gemacht werden, die in der Tradition europäischer Kunstmusik implizit bleiben. 

Möchten Sie in das Buch hineinlesen? Dann klicken Sie hier.

JAZZY THING

Ausstellung "Free Jazz in der DDR. Weltniveau im Überwachungsstaat" / noch bis zum 5. Oktober 2014 / Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam 

Wie wäre es mal wieder mit einem Ausflug nach Potsdam? Noch bis Anfang Oktober gibt es hier eine Ausstellung über die Free Jazz-Szene in der DDR zu sehen. In den 1970er und 1980er Jahren entstanden, war die Free Jazz-Szene in der DDR klein, aber eng vernetzt, hoch kreativ und auch international gefragt. Sie lebte von begabten Musikern, die genau für diese Musik brannten. Und sie wurde getragen von einem Netzwerk an Unterstützern und vor allem von einem Publikum, das für diese mutigen Ausflüge in neue Klangwelten offen war. Die Ausstellung gibt Einblicke in eine in vielen Farben und Schattierungen schillernde Subkultur inmitten der geschlossenen DDR-Gesellschaft, die von Staats wegen nur wenig Raum für Individualität bot. Die Installationen aus Film, Musik, Fotos, Plakaten, Plattencovern und Interviews machen deutlich, was diese Szene ausmachte: die Kraft, der Enthusiasmus, die Spiel- und Genussfreude und der über allem stehende leidenschaftliche Freiheitsdrang.

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