Aus dem Haus

Aktuelle Jazz-Tipps: für Sie angehört und für gut befunden

  • 02.10.2014

Der Jazz-Herbst ist da und mit ihm jede Menge neue Veröffentlichungen. Wir haben wieder das große Angebot neuer Alben für Sie durchgehört und stellen Ihnen heute unsere Favoriten vor. 

 

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Kenny Barron, Dave Holland / The Art Of Conversation / Impulse/ 1 CD / € 19,99

Konversation, zumal der Dialog, erfordert aufmerksames Zuhören und die Fähigkeit zum präzisen Ausdruck. Verfügen die Beteiligten noch über einen reichen Wissensschatz, Erfahrung, gegenseitigen Respekt und die Wertschätzung unterschiedlicher Perspektiven, kann man getrost von Kunst sprechen. Der amerikanische Pianist Kenny Barron und der britische Bassist Dave Holland haben im Laufe ihrer jahrzehntelangen Karriere immer wieder und mit unterschiedlichsten Musikern im Duett gespielt - von Stan Getz über die Violinistin Regina Carter, bis hin zum Flamenco-Gitarristen Pepe Habichuela (ihr gemeinsames Album "Hands" ist ein absoluter Favorit der Jazz-Abteilung). Für ihr erstes gemeinsames Duo-Album haben Kenny Barron und Dave Holland überwiegend bewährte Eigenkompositionen verwendet und um drei ausgewählte Standards (Parker, Monk, Ellington) ergänzt. Bei exzellenter Soundqualität bewegen sich die zwei Grandmaster kongenial und in höchster Präzision durch ein Repertoire aus Balladen, Swing, Waltz und lateinamerikanischen Figuren. Wir dürfen zuhören - schweigend und staunend. 

 

 

 

 

 

The Bad Plus / Inevitable Western / Okeh / 1 CD / € 19,99 

Kein Jazz-Newsletter ohne Piano-Trio! "Intelligente Musik für die Massen" ist das Credo von The Bad Plus. Die drei Vollblutmusiker aus dem Mittleren Westen der USA haben Waghalsigkeit zum Programm gemacht. Die Massen lassen noch etwas auf sich warten, aber freigeistige Musikfreunde aller Fraktionen begeistern sich seit 2001 für die Combo, die ihr Debütalbum mit einer Version von Abbas "Knowing Me, Knowing You" eröffnete. Erst zu Jahresbeginn war ihre Version von Stravinskys "Rite of Spring" erschienen, jetzt lassen The Bad Plus ein Album mit Eigenkompositionen vom Stapel, dem man die Erleichterung über die Rückkehr zum Bandsound förmlich anhört. Erinnert der Opener noch an skandinavische Trio-Melancholie, geht bei "Gold Prisms Incorporated" schon gnadenlos die Post ab. Ein ostinates Pianoriff wird von fetten Basstönen und treibenden Drums unterspült. Was folgt, ist eine abwechslungsreiche, immer unterhaltsame Tour de Force durch Stile, Tempi und Sounds. Hier verschmelzen drei explizite musikalische Stimmen zu einer gemeinsamen und rütteln an den Fundamenten des konventionellen Pianotrios. Sehen Sie hier eine Live-Performance von "Gold Prisms Incorporated" 

 

Mark Turner Quartet / Lathe Of Heaven / ECM / 1 CD / € 18,99 

Mark Turner ist zur Zeit allgegenwärtig. Nicht verwunderlich, denn der 48jährige Tenorsaxophonist verfügt über technische und kompositorische Qualitäten, Coolness und stilistische Vielfalt, die ihn zum Sideman par excellence machen. Allein in diesem Jahr war er maßgeblich an zwei herausragenden ECM-Veröffentlichungen beteiligt: Stefano Bollanis gefeierten "Joy in Spite of Everything" und Billy Harts "One is the Other". Nun erscheint, ebenfalls auf ECM, erstmals nach 12jähriger Pause wieder ein Album mit Turner als Leader - und die Überraschung könnte kaum größer sein. Das neu gebildete Mark Turner Quartet verzichtet auf ein Akkordinstrument. Dafür wird zusätzlich zur Rhythmussektion (mit Drummer Marcus Gilmore und Bassist Joe Martin) der Trompeter Avishai Cohen installiert, der als Melodie führender Partner für Turners Tenor auftritt. Die sechs langen Eigenkompositionen (zwischen 7 und 13 Minuten) sind in fast klassischem Sinne formal und ökonomisch, Trompete und Saxophon oft wie im Tandem synchronisiert. Selbst die Soli wirken diszipliniert, nicht eruptiv, sondern linear, begleitet von subtilen rhythmischen Verschiebungen zwischen Bass und Schlagzeug. Bei aller spröden Intellektualität besitzt die Musik des MTQ eine meditative Kraft, die die Seele berührt. Jazz jenseits von Kategorien: vertraut und trotzdem zukunftsweisend neu. Sehen Sie hier einen Trailer zum Album. 

 

Jagun / Camburi / Galileo / 1 CD / € 16,99 

Schuld war nur der Bossa Nova. Bei einem Brasilienbesuch 1995 verliebte sich die junge Eva Jagun in die einheimische Musik und den speziellen Klang des dortigen Portugiesisch. 15 Jahre später kehrte sie als ausgebildete Sängerin und mit eigenen Songs ihres Debütalbums "My Blue Hour" im Gepäck für eine Konzertreihe in ihr Traumland zurück. Zusammen mit ihrem Partner, dem Bassisten Manuel Zacek verbrachte sie eine offenbar unbeschwerte und inspirierende Zeit in Camburi, einem Küstenort und Surfparadies nahe Sao Paolo. Zurück in Berlin entstanden aus den musikalischen Ideen ihrer Reise die Songs zu ihrem zweiten Album. Realisiert mit einem internationalen Aufgebot exzellenter Instrumentalisten unter besten Bedingungen (die Streicher wurden im Meistersaal am Potsdamer Platz aufgenommen) verbindet "Camburi" die melancholische Leichtigkeit des Bossa mit der Opulenz europäischen Jazzpops und der textlichen Poesie einer der interessantesten neuen Stimmen des deutschen Jazz. Muito bom! Sehen Sie hier einen Trailer zum Album 

 

In memoriam Charlie Haden 

In meiner Review des Keith Jarrett & Charlie Haden-Albums "Last Dance" im Juni-Newsletter hatte ich die Hoffnung geäußert, der Albumtitel möge nicht programmatisch sein. Nur wenig später, im Juli, starb Charlie Haden kurz vor seinem 77. Geburtstag. Aus diesem Anlass möchte ich an dieser Stelle drei essentielle Alben seines umfangreichen Schaffens vorstellen. 

Charlie Haden / Liberation Music Orchestra / Impulse / 1 CD / € 9,99 

1969, auf dem Höhepunkt der Proteste gegen den Krieg in Vietnam, versammelte Haden zusammen mit der Pianistin Carla Bley ein Großaufgebot von Musikern wie Paul Motian, Michael Mantler, Don Cherry, Gato Barbieri u.a., um in kollektiver Improvisation Lieder aus dem spanischen Bürgerkrieg aufzunehmen. Ein großartiges musikalisches Statement aus der Zeit, als der Musik noch die Kraft zu politischer Veränderung zugesprochen wurde.

Charlie Haden & Hank Jones / Steal Away / Verve / 1 CD / € 9,99 

Haden ist zeitlebens immer wieder zu den klassischen amerikanischen Musiktraditionen des Blues, Gospel oder gar Country zurückgekehrt. 1994 spielte er im Duett mit Hank Jones, einem der größten Pianisten der Jazzhistorie, ein erstes Album mit Spirituals und Folk Songs ein. So haben sie "Swing Low, Sweet Chariot" oder "We Shall Overcome" noch nie gehört. 

Charlie Haden / Land Of The Sun / Verve / 1 CD / € 9,99 

Noch etwas weiter nach Süden orientierte sich Haden 2004. Zusammen mit dem kubanischen Pianisten Gonzalo Rubalcaba bearbeitete er Werke des mexikanischen Komponisten Jose Sabre Marroquin, heuerte hochkarätige Mitspieler an und erschuf einen Grammy-prämierten Klassiker des modernen Latin Jazz. 

 

Weitere Jazz-Neuheiten, von denen Sie wissen sollten! 

Lars Danielsson / Liberetto II / Edel / 1 CD / € 17,99. Auch als Vinyl erhältlich 

Für Lars Danielsson, den schwedischen Meister des Wohlklangs an Bass und Cello, liegt alle Kraft in der Melodie. Sein Liberetto-Ensemble gibt ihm die größtmögliche Freiheit, sich auszudrücken. 

Joe Bonamassa / Different Shades Of Blue / GoodToGo / 1 CD / € 17,99. 

Auch als Vinyl erhältlich Der Grammy-nominierte Bluesrock-Gitarrist Joe Bonamassa unternimmt auf seinem neuen Album eine Reise an die äußeren Grenzen und die verschiedenen Klänge des Blues. Das Besondere: Auf "Different Shades Of Blue" sind fast ausschließlich eigene Songs zu hören. 

Till Brönner / The Movie Album / Universal / 1 CD / € 17,99. Auch als Vinyl erhältlich 

Mit einer abwechslungsreichen Sammlung legendärer wie neuerer Filmsongs - mal instrumental, mal vokal - nimmt Sie Deutschlands erfolgreichster Trompeter mit auf eine Reise vom Beginn des abendfüllenden Tonfilms bis hin zum heutigen Blockbuster-Kino. 

 

JAZZY THING 

Miles Ahead - Filmbiografie über Miles Davis ensteht in Zusammenarbeit mit Herbie Hancock und Robert Glasper 

Zehn Jahre arbeitet der Schauspieler Don Cheadle schon an seinem Traumprojekt "Miles Ahead" - ein Biopic über Jazz-Legende Miles Davis. Don Cheadle übernimmt nicht nur die Hauptrolle, sondern schrieb auch am Drehbuch mit, produziert und führt Regie. Die musikalische Leitung des Projekts übernahm ein Musiker, der selbst über Jahre hinweg zum inneren Zirkel von Miles' Bands gehörte: Pianist Herbie Hancock. Mit von der Partie ist auch Robert Glasper. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Don Cheadle in die Haut einer Musiklegende schlüpft: Für seine Darstellung von Sammy Davis Jr. in dem Fernsehfilm "The Rat Pack" erhielt der Schauspieler 1998 einen Golden Globe. Sehen Sie hier einen ersten Trailer zu "Miles Ahead".

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