Aus dem Haus

Just released: Aktuelle Jazz-Empfehlungen

  • 22.02.2015
  • Aktuelle Jazz-Tipps für Sie rezensiert

Aktuelle Jazz-Tipps für Sie rezensiert

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Im KulturKaufhaus hat der Jazz ein neues Zuhause: Ab sofort finden Sie uns im neuen Untergeschoss neben den Abteilungen für Film, Pop und Weltmusik. Neue Räume eröffnen neue Möglichkeiten, es entstehen interessante Verbindungen, die man vorher gar nicht im Ohr hatte. Überzeugen Sie sich selbst und kommen Sie vorbei. Bis dahin wünschen wir Ihnen viel Spaß mit unseren handverlesenen CD-Tipps. Sie möchten mehr aus der Welt des Jazz wissen? Dann abonnieren Sie doch unseren Jazz-Newsletter!

Marius Neset / Pinball / ACT/Edel / 1 CD / € 17,99

Seine Musik ist wie eine Flipperkugel: glänzend, präzise, rasant, trotzdem quer schießend und unvorhersehbar. Im Titeltrack prallen die Instrumente federnd aufeinander, Takt und Rhythmus sind komplex und elastisch. Konzentration und Reaktion bei hohem Spaßfaktor - wie am Automaten. Marius Neset ist zwar erst 29, gilt aber in Fachkreisen spätestens seit seinem zweiten Album "Golden Xplosion" von 2011 als interessantester norwegischer Saxophonist seit Jan Garbarek. Als jahrelanger Student am Musikkonservatorium in Kopenhagen bei Django Bates erwarb er sich nicht nur das spieltechnische und kompositorische Rüstzeug. Er vernetzte sich dort auch mit etlichen anderen hochtalentierten skandinavischen Instrumentalisten, die seine Solokarriere seither begleiten. War sein letztjähriges Debüt für das ACT-Label noch eine groß angelegte Produktion mit dem Trondheim Jazz Orchestra, ist das neue Album "Pinball" im Kern das Werk eines eingespielten skandinavisch-britischen Quintetts. Pianist Ivo Neame und Drummer/Co-Produzent Anton Eger, hauptberuflich aktiv im weltweit gefeierten Trio Phronesis, sowie Vibraphonist Jim Hart spielten schon auf Nesets Album "Birds". Bassist Peter Eldh ist ein Kumpel aus Konservatoriumstagen. Unter gelegentlicher Mithilfe von Cello, Geige und Querflöte in viertägiger Klausur kurz nach Mittsommer 2014 aufgenommen, ist "Pinball" eine fast beängstigend perfekte Fusion aus aktuellem europäischen Jazz und klassischem Bebop. Die 12 Eigenkompositionen reichen von furios bis entspannt und machen alle Vergleiche mit Michael Brecker oder Chris Potter hinfällig. Marius Neset ist spielt definitiv in der Champions League des modernen Jazz.

Vincent Peirani / Living Being / ACT/Edel / 1 CD / € 17,99

An Vincent Peirani führt spätestens seit seinem 2013er Debüt "Thrill Box" kein Weg vorbei. Preise und Auszeichnungen, gefeierte Konzerte und Festivalauftritte sowie Alben im Dreivierteljahrestakt haben den jungen Franzosen in kurzer Zeit in die Riege der aktuell wichtigsten europäischen Instrumentalisten gespült. Dabei ist sein Instrument - das Akkordeon - nicht eben ein klassisches Leadinstrument im Jazz, sondern eher assoziiert mit dem Tango oder Volksmusiktraditionen wie Polka, Zydeco, Cumbia und, ja, der französischen Musikkultur. Allerdings ist es ein verschlungener Pfad von der akustischen Postkartenidylle einer Musette im Pariser Straßencafé bis hin zur Musik von Vincent Peirani. Peirani gehört zu der neuen Generation von Musikern, die sich nicht mit stilistischen Frontverläufen und Genre-Schubladen beschäftigen, sondern nach an- und aufregenden Impulsen suchen, um ihre musikalischen Visionen umzusetzen. Seine Spezialität sei es, kein Spezialist zu sein, sagt er. Auf seinem Debütalbum standen Tunes von Monk oder Mehldau neben klassischen amerikanischen Folksongs und Balkanmusik. Auf seinem aktuellen Album spielt er im Quintett mit seinem Duo-Partner, dem Saxophonisten Emile Parisien, Julien Herné am Bass, Schlagzeuger Yoann Serra und Keyboarder Tony Paeleman - allesamt Südfranzosen aus Nizza und Umgebung. Mit mediterraner Lockerheit und einer Portion Humor spielen die Jungs klassisch minimalistische Themen, wuchtigen Blues, freie Soundcollagen oder ein hymnisches Jeff Buckley-Stück ("Dream Brother"). Sie klingen dabei aber immer eigenständig, frisch und lebendig. Zukunftsweisend.

Kenny Wheeler / Songs for Quintet / ECM/Universal / 1 CD / € 19,99

"Songs for Quintet" - unter diesem schlichten Titel sind jetzt die letzten Aufnahmen des im September verstorbenen Jazztrompeters Kenny Wheeler erschienen. Entstanden an zwei Tagen im Dezember 2013 in den Abbey Road Studios unter Mitwirkung langjähriger Weggefährten, beleuchten die neun Tracks noch einmal Qualität und Bedeutung dieser Ikone des britischen Jazz. Wheeler war ein "musician's musician", ein gefragter Kollaborateur, aber auch ein gestandener Solokünstler und produktiver Komponist. Er verkörperte überzeugend fast alle Stile im Jazz seit den 50ern - vom Swing der britischen Dance Bands bis zum Free Jazz in Schlippenbachs Globe Unity Orchestra. In seiner letzten Session spielte er ausschließlich Flügelhorn, seine oft unkonventionellen melodischen Wendungen entschärft er durch einen unverwechselbaren warmen und klaren Ton. Mit Stan Sulzmann am Tenorsaxophon hat er eine fantasievolle zweite Stimme, die kommentiert, fragt und antwortet. Gitarrist John Parricelli spielt makellos und fantasievoll, Bassist Chris Laurence webt warme Farben in den Sound. Sensationell ist Schlagzeuger Martin France, dessen lebendiger Einfallsreichtum weder vor militärischen "rolls" noch vor Tangorhythmen halt macht. Auch wenn es sich bei einigen Tracks um Neubearbeitungen handelt, ist dieser "swan song" nicht nur eine letzte Session unter vertrauten Musikern, sondern ein funkelnder Edelstein in der Diskographie eines Großmeisters des Jazz.

Eberhard Weber / Encore / ECM/Universal / 1 CD / € 17,99

Bass-Soli seien üblicherweise langweilig, sagt Eberhard Weber, der bedeutendste deutscheJazz Bassist. Tragischerweise sind Bass-Soli das Fundament seines Spätwerks, denn seit einem Schlaganfall vor fast acht Jahren kann Weber nicht mehr spielen. Aufgezeichnet sind allerdings seine Soloparts aus zwei Jahrzehnten als Bassist der Jan Garbarek Group: Bis zu zehnminütige Improvisationen, die Weber auf Konzerten als Übergang zwischen zwei Stücken der Band gespielt hatte. Das 2012 veröffentlichte Album "Résumé" versammelte zwölf ausgewählte Nachbearbeitungen dieser Improvisationen, benannt nach dem jeweiligen Ort ihrer Aufnahme. Kurz nach seinem 75. Geburtstag Ende Januar erscheint jetzt mit "Encore" eine Fortsetzung. Weber hat diesmal 13 Tracks ausgewählt, editiert und mit einhändig eingespielten Keyboardparts, Loops und Sounds quasi "re-composed". Im Zentrum bleibt sein unverwechselbar singender Ton, gespielt auf einem selbstkonstruierten E-Bass mit zusätzlicher Saite. Auf einigen Tracks, wie dem großartigen Opener "Frankfurt", hören wir das Flügelhorn des niederländischen Trompeters Ack van Rooyen, der schon 1973 auf Webers Solodebüt "The Colours of Chloe" dabei war. Zu den von Eberhard Weber eher widerwillig akzeptierten öffentlichen Ehrungen um seinen Geburtstag herum gehörten auch die Verleihung des baden-württembergischen Jazzpreises für sein Lebenswerk und zwei Tributkonzerte mit der SWR Big Band und ehemaligen Weggefährten wie Jan Garbarek, Pat Metheny, Gary Burton oder Ralph Towner. Seine Autobiografie mit dem Titel "Résumé" ist vor kurzem erschienen.

LIVE IM KULTURKAUFHAUS
Es ist uns eine Freude und Ehre, dass Eberhard Weber am Dienstag, 17. März, um 19 Uhr, zu Gast an unserer KulturBühne ist! Im Gespräch mit dem Journalisten Karl Lippegaus stellt er seine Autobiografie "Résumé" und das Album "Encore" vor. Der Einritt ist kostenfrei. 

JUST RELEASED

Diana Krall / Wallflower / Universal / 1 CD / € 17,99. Auch als Vinyl erhältlich. Jazzpianistin Diana Krall glänzt auf "Wallflower" einmal mehr auch als Popsängerin. Sie interpretiert Songs aus ihrer Jugendzeit, wie "Desperado" und natürlich das von Bob Dylan stammende Titelstück. Als Duett-Partner sind unter anderem Michael Bublé und Bryan Adams dabei. 
Lyambiko / Muse / Sony / 1 CD / € 16,99
Lyambikos Hommage an bedeutende Sängerinnen und Komponistinnen der Jazzszene. Ein beeindruckendes Kaleidoskop von Geschichten und Stimmungen - geprägt von Lyambikos einfühlsamer und variantenreicher Stimme, von ihrer Band leichtfüßig begleitet.
Dieter Ilg / Mein Beethoven / Edel / 1 CD / € 17,99 Nach Verdi und Wagner demonstriert Bassist und Bandleader Dieter Ilg mit "Mein Beethoven" abermals, dass es bei ihm nicht vordergründig um effektvollen Jazz goes Klassik-Crossover geht, sondern darum, sich die Vorlagen mit Eigensinn zu eigen zu machen.

JAZZY THING

Film-Fundstück: “Playgirl”, eine Großstadtballade voll Swing und Jazz Nahezu vergessen, jetzt wiederentdeckt: Der Film "Playgirl", den Will Tremper - Jazzfan, Filmkritiker und Regisseur - im Jahr 1966 drehte. Die mit dokumentarischer Lässigkeit und trockenem Humor inszenierte Großstadtballade ist eine Liebeserklärung an das Berlin der 60er Jahre. Eva Renzi in der Rolle des "Playgirls" wurde mit dem Film über Nacht zum Star. Musikalisch punktet der Streifen mit der Filmmusik von Peter Thomas ("Raumpatrouille Orion"), die unter anderem von Klaus Doldinger und seinem Quartett interpretiert wird. Einen swingenden Kurzauftritt hat auch Paul Kuhn. Sehen Sie hier den Trailer zu "Playgirl".

 

 

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