Aus dem Haus

Unsere Top-Jazz-Alben im März

  • 26.03.2015

Hier sind sie wieder - die Top-Jazz-Alben des Monats aus unserem Jazz-Newsletter: persönlich ausgewählt und für Sie rezensiert. Neugierig geworden? Dann kommen Sie doch einfach vorbei - bei uns können Sie sich durch die Alben hören, stöbern, Neues entdecken und sich mit uns über "All That Jazz" austauschen. Wir freuen uns auf Sie!

P.S. Unsere Jazz-Abteilung finden Sie jetzt neu im Untergeschoss neben den Abteilungen für Film, Pop und Weltmusik.

UNSERE EMPFEHLUNG
Jakob Bro / Gefion / ECM/Universal / 1 CD / € 19,99

Der dänische Gitarrist Jakob Bro hat sich spätestens durch seine CD Trilogie "Balladeering" zusammen mit Größen wie Bill Frisell, Paul Motian oder Lee Konitz in die Riege der arrivierten Jazzmusiker gespielt. Mit GEFION erscheint jetzt sein ECM-Debüt unter eigenem Namen und es verkörpert alle Qualitäten des klassischen ECM Sounds. Offen strukturierte, atmosphärische Tracks, weitläufig ausgedehnte Soundscapes, die auch in leisen Passagen klar und präzise produziert sind.

Das eröffnende Titelstück beginnt mit einem kaum hörbaren einfachen Gitarrenmotiv, das nach einer Minute von sparsam akzentuierten Beckenschlägen weggewischt wird, sich lava-ähnlich zurück in den Track schiebt, um nach drei Minuten zusammen mit dem Bass in einem glorreichen, fast hymnischen Americana-Motiv aufzugehen. Die Songs werden mit äußerster Sorgfalt und Präzision wie Kartenhäuser gebaut, wirken aber trotzdem fließend oder schwebend. Ein Ry Cooder-Soundtrack wirkt gegen dieses Album wie Punkrock.

Bro hat zwei Mitstreiter der Extraklasse rekrutiert: Bassist Thomas Morgan, hörbar beeinflusst von Charlie Haden, spielt pointiert und präsent. Heimlicher Star des Albums ist der erfahrene norwegische Schlagzeuger Jon Christensen, dessen vom Beat befreites Spiel, ähnlich wie bei Brian Blade, ein Universum von Beckenklängen eröffnet.

UNSERE EMPFEHLUNG
Rudresh Mahanthappa / Bird Calls / ACT/Edel / 1 CD / € 17,99 / 1 Vinyl / € 19,99

60 Jahre nach seinem Tod im März 1955 ist Charlie Parker noch immer ein Fixstern für die Jazzgemeinde generell und für Saxophonisten im Speziellen. Seine Musik wurde seither von unzähligen Musikern unterschiedlichster Herkunft nachempfunden oder zitiert.

Der amerikanische Saxophonist Rudresh Mahanthappa bezeichnet Parker als seine wichtigste Inspiration und hat mit seinem neuen Album ein außerordentliches Tribut erschaffen. "Bird Calls" verzichtet komplett auf Parker-Originale, sondern besteht aus Eigenkompositionen, die Parkers musikalische Sprache in das Vokabular des zeitgenössischen Jazz überführen. Natürlich werden dabei Themen und Soli adaptiert, Harmonien transformiert und Tempi variiert. Die versteckten Referenzen führen aber nicht nur kunstvoll und subtil zur Quelle zurück, sondern verweisen gleichzeitig auf den Jazz von morgen. Sieben längere Tracks werden gebrochen bzw. verbunden durch fünf kurze Solo-Duo-Meditationen ("Bird Calls 1-5"), die wie Atempausen funktionieren.

Die Band ist grandios. Der agile Pianist Matt Mitchell und Drummer Rudy Royston spielen zusammen bei Dave Douglas. Francois Moutin ist seit Jahren Mahanthappas "Bassist of choice". Und ausgerechnet der Junior, der 20jährige Trompeter Adam O'Farrill, stellt als Spross der Latin-Jazz-Familiendynastie der O'Farrills die direkte Verbindung zu Parker her: Sein Großvater Chico schrieb zusammen mit Bird die "Afro Cuban Jazz Suite".

Ein phänomenales Album: lebendig, komplex, aufregend und freigeistig. Mahanthappa und seine Musiker destillieren auf "Bids Calls" sowohl Parkers Stil und Technik und summieren dabei gleichzeitig seinen Einfluss. Sehen Sie hier einen Albumtrailer.

UNSERE EMPFEHLUNG
Tigran Hamasyan / Mockroot / Nonesuch/Warner / 1 CD / € 17,99

Der armenische Pianist Tigran Hamasyan ist einer dieser Wunderknaben: erste Klavierstunden mit drei Jahren, Musikkonservatorium mit sechs, Konzerte mit zehn, mit 16 Jahren Gewinner des Pianistenpreises beim Montreux Jazz Festival, Debütalbum mit 18. Jetzt ist er 27 und auf dem renommierten Nonesuch Label erscheint soeben sein mittlerweile sechstes Album.

Tigrans musikalische Sozialisation reicht vom Hardrock der frühen 70er aus Vaters Plattensammlung über Fats Waller bis zu traditioneller armenischer Volksmusik. Er sagt, er habe, anders als die meisten klassisch ausgebildeten Pianisten, schon von klein auf gerne und viel improvisiert. Seine technischen Fähigkeiten überzeugen selbst Großmeister wie Herbie Hancock, Chick Corea und Brad Mehldau. Auf "Mockroot", seinem neuen Album, spielt er im Trio mit Sam Minaie am Bass und dem talentierten Schweizer Drummer Arthur Hnatek. Inspiriert von armenischer und russischer Poesie des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts (das Booklet enthält die Texte auch in englischer Übersetzung), ist "Mockroot" trotzdem wortlos - die menschlichen Stimmen darin kolorieren gelegentlich die Melodieführung, wie Jarrett bei seinem legendären Köln-Konzert. Die Kompositionen und die Produktion sind allerdings Aufsehen erregend bis spektakulär, das Spektrum reicht von wilder Intensität bis zu gespenstischer Schönheit.

Tracks wie "The Grid" oder vor allem "Entertain Me" mit ihren komplexen Taktstrukturen und brachialen Staccati ähnelnden Trash-Metal-Riffs sind Jazz für Headbanger. Andererseits gibt es hymnische Folksongs wie "The Apple Orchard in Saghmosavanq" oder Walzerminiaturen wie "Lilac", die an Satie oder Ravel erinnern.

"Mockroot" ist ein früher Meilenstein des neuen Jazz-Jahres, mit dem Tigran Hamasyan seine Position als wichtige und eigenständige Stimme im aktuellen Jazz zementiert. Klicken Sie hier für einen Behind-the-Scenes-Clip zu "Mockroot".

UNSERE EMPFEHLUNG
Quadro Nuevo / TANGO / GLM/Soulfood / 1 CD / € 17,99 / 1 Vinyl / € 26,99

Im Januar 2014, gerade noch rechtzeitig, bevor Mario Götze das deutsch-argentinische Verhältnis nachhaltig beeinflusste, packten die vier Musiker von Quadro Nuevo ihre Instrumente und den befreundeten Pianisten Chris Gall ein und reisten zur Fortbildung ins sommerliche Buenos Aires. Zwar war der Tango schon von Beginn an ein unverzichtbarer Bestandteil des Repertoires der musikalischen Weltenbummler aus Bayern, aber dieses Mal sollte der wahre Stoff inhaliert werden.

Quartier bezogen sie in einer alten Stadtvilla, praktizierten tagsüber in deren Ballsaal und tauchten nachts in den Tangokosmos der Metropole ein. Sie spielten mit legendären Tango-Größen und Straßenmusikern, begleiteten Tänzer und diskutierten mit Dichtern und Regisseuren über die Seele des Tango. Zum Abschluss spielten sie ein Konzert im 120 Jahre alten Tangoclub "Los Laureles".

Das Resultat der Reise ist das Album "TANGO", das tatsächlich deutlich emotionaler und authentischer klingt, als Quadro Nuevos bisherige Exkursionen in das Genre. Exquisite Eigenkompositionen der Bandmitglieder wie "Buenos Aires Taxi Drive" oder "Garcias Tango" mischen sich zwischen steinharte Klassiker vom Schlage "Por Una Cabeza" "Vuelvo Al Sur"oder "La Cumparsita". So schön kann Melancholie sein.

Über die Tage in Buenos Aires veröffentlichte die Band zusammen mit den Schauspielern Dominic Raacke und Caroline Ebner übrigens auch das Hörbuch "Lieben Sie Tango?". Sehen Sie hier einen Clip zu "Garcia's Tango" vom neuen Album.

DREI, DIE SIE KENNEN SOLLTEN!
Louis Armstrong / Satchmo live in Berlin. Part 1 + 2 / Jazzpoint) / 1 CD / je € 9,99

Louis Armstrong war der erste weltbewegende Solist des Jazz und unbestritten einer der wichtigsten Musiker in der Geschichte der populären Musik. Sein musikalischer Nachlass ist unüberschaubar und höchst unterschiedlich. Auch wenn er schon in jungen Jahren nach Chicago ging, ist er zweifelsfrei der bedeutendste Vertreter des New Orleans Jazz. Korrekterweise sollte ich Ihnen frühe Aufnahmen der Hot Five oder Hot Seven empfehlen. Stattdessen verweise ich auf eine exquisite Seltenheit: Das Label Jazzpoint hat vor einigen Jahren in den Archiven des DDR-Rundfunks den Mitschnitt eines Konzerts gefunden, das Armstrong im Frühjahr 1965 im Ost-Berliner Friedrichstadtpalast gab, und das Material auf zwei getrennten CDs veröffentlicht. Begleitet von einem exzellenten Sextett und in ausgezeichneter Tonqualität reichte das Programm von Klassikern wie "Tiger Rag" oder "Stompin' at the Savoy" bis zu launigen Versionen von "Hello Dolly" oder dem "Faithfull Husar".

Trombone Shorty / Say That To Say This / Verve/Universal / 1 CD / € 9,99

Troy Andrews ist die vielleicht heißeste Nummer im New Orleans Jazz der Gegenwart. Besser bekannt unter dem Künstlernamen Trombone Shorty kocht der Endzwanziger seit einigen Jahren das schärfste Gumbo der Stadt. Sein "Supafunkrock" (O-Ton) enthält als Zutaten jede Menge jazzige Bläsersätze, heftige Gitarrenriffs, funky Breakbeats, einen Schuss Meters hier, eine Prise Bootsy da und wird langsam hochgekocht. Vor allem live, aber auch auf seinen Alben, bleibt da kein Auge trocken.

Allen Toussaint / The Bright Mississippi / Nonesuch/Warner / 1 CD / € 19,99

Der Pianist, Produzent, Arrangeur und Songschreiber Allen Toussaint ist zwar kein lupenreiner Jazzer, verkörpert aber wie kein Zweiter den Rhythm and Blues des New Orleans der 60er und 70er Jahre. 2009 spielte er zusammen mit Musikern wie dem Klarinettisten Don Byron, dem Trompeter Nicholas Payton oder dem Gitarristen Marc Ribot ein Album mit Jazz-Standards von Ellington, Armstrong oder Monk ein. Produziert von Joe Henry verströmen diese Sessions die für Toussaint übliche entspannte Lässigkeit und den Groove seiner eigenen Produktionen.

JAZZY THING
Ausstellung New Orleans - The Sound of a City / 27. März - 26. April 2015 / Station Berlin am Gleisdreieck

New Orleans gilt als einer der bedeutendsten Orte für die Entwicklung US-amerikanischer Musikkultur, deren Stilrichtungen Jazz und Rhythm & Blues Generationen weltweit beeinflusst haben. Im Jahr 2005 wurde New Orleans von einer der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA, Hurrikan Katrina, heimgesucht. Dieses Ereignis prägt bis heute das Bewusstsein der Menschen. Gleichzeitig begegnet man in New Orleans einer außergewöhnlichen Lebensfreude, die tief in Traditionen und Kultur verwurzelt ist.

Auf über 500 Quadratmetern zeigen Originalobjekte, Kulissen, Kostüme, Instrumente, Film- und Tonaufnahmen sowie Bilder bekannter Fotografen wie Michael P. Smith New Orleans' einzigartige Kultur und Geschichte. Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Facebook-Seite des Veranstalters.

 

 

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