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Aus dem Haus

All That Jazz: Unsere aktuellen Tipps

  • 30.05.2015
  • Hören Sie auch jeden Sonntagabend Klaus Doldinger?

Hören Sie auch jeden Sonntagabend Klaus Doldinger?

Unser Jazz-Chef Stefan Schmidt stellt hier die wichtigsten aktuellen Jazz-Platten vor. Wenn Sie die Rezensionen regelmäßig per E-Mail erhalten möchten, abonnieren Sie hier unseren Jazz-Newsletter.


UNSERE EMPFEHLUNG

Klaus Doldinger's Passport / En Route / Warner / 1 CD / € 19,99

Hören Sie auch jeden Sonntagabend Klaus Doldinger? Seine vor über 40 Jahren geschriebene Musik für den "Tatort"-Vorspann ist allerdings nur die Spitze eines Eisbergs von etwa 2000 Kompositionen, darunter erfolgreiche Filmmusiken ("Das Boot"), TV-Themen, Werbejingles und andere Auftragsarbeiten. Es spricht für die kompositorische Klasse und Abwesenheit von musikalischen Eitelkeiten beim gelernten Tontechniker, das es ihm seit Jahrzehnten gelingt, gleichzeitig als seriöser Jazzer und Komponist hochwertiger Gebrauchsmusik zu arbeiten. Das Bandprojekt Passport gründete der weltgewandte Saxophonist 1971, als die Zeichen auf Fusion von Jazz und Rockmusik standen. Ständige Personalwechsel in den Anfangsjahren (auf dem ersten Album war der Schlagzeuger ein gewisser Udo Lindenberg) änderten nichts an Doldingers Vision eines groovenden, nicht akademischen, instrumentalen Jazz mit Einflüssen lateinamerikanischer oder afrikanischer Populärmusik, die 1975 mit dem Album "Cross-Collateral" auch international Anerkennung fand. "En Route", das soeben erschienene Album, ist der mittlerweile 34. Stempel im Pass - und das noch immer bei der selben Major-Firma wie vor 44 Jahren. Passport ist inzwischen ein Septett, das im Kern seit 1995 zusammen spielt. Neu dabei ist dieses Mal der Gitarrist Martin Scales - sein Bruder Patrick ist seit 20 Jahren Bassist der Band. Acht neue Titel sind in einer zweitägigen Session im hauseigenen Studio entstanden, zwei Livetracks aus dem letzten Jahr runden die siebzig kurzweiligen Minuten ab. Passport funktioniert wie ein etabliertes Sternerestaurant: bewährt hohe Qualität mit dezenten aktuellen Einflüssen. Der großartige Opener "Seven To Four" bündelt alle Qualitäten der Band und des folgenden Albums. Getragen von einem galoppierenden perkussiven 7/4 Takt, spielt Doldinger ein arabisch anmutendes Thema, das in der Folge von Pianist Michael Hornek und Gitarrist Martin Scales mit pointierten Soli modifiziert wird. Ein Album wie ein klasse "Tatort": temporeich, packend und gut gespielt. Klaus Doldinger wird übrigens diesen Monat 79, sieht aus wie Anfang 60 und ist geistig jünger als so mancher 30-Jährige. Glückwunsch!


UNSERE EMPFEHLUNG
Snarky Puppy & Metropole Orkest / Sylva / 1 CD-DVD, € 26,99 / 1 Vinyl, € 29,99

Michael League ist Bassist, Komponist, Arrangeur und Leader des Grammy-prämierten Musikerkollektivs Snarky Puppy und ein Mann mit Visionen. Das Ensemble, gegründet 2004 an der University of North Texas, wuchs schnell zu einem Pool von über 30 Instrumentalisten unterschiedlichster Couleur an. Diverse eigene Alben, Sessions und Produktionen für Jazzer, HipHop- und Soul Acts und jährlich an die 200 Konzerte auf vier Kontinenten sind nicht genug. Auf den Tourneen gibt Michael League mit seinen Kollegen Workshops und Master Classes zu Komposition, Spieltechnik und Businessfragen. Ihre Alben werden in der Regel live im Studio vor geladenem Publikum eingespielt und als audiovisuelles Gesamtkunstwerk veröffentlicht. Ihre Musik beschreibt die Band unspektakulär als "eine delikate Mischung aus Komposition, Harmonie, Melodie und Improvisation". Für ihr Debüt bei einem Major Label suchte League für seine Formation eine neue Herausforderung und fand sie im renommierten niederländischen Metropole Orkest, einem 50-köpfigen Hybrid aus Big Band und Sinfonieorchester, das seit 1945 auf 150 Alben und tausenden von Rundfunk-und TV Auftritten ein Spektrum von Dizzy Gillespie bis Chilly Gonzales begleitet hat. Für die Zusammenarbeit schrieb League sechs "movements", bei denen er sich von bewaldeten Regionen wie dem Atchafalaya Swamp in Louisiana oder dem Parque de Pena bei Sintra inspirieren ließ. Das Resultat ist atemberaubend. Wogende Streicher münden in versponnene Bläsersentenzen, Kaskaden von Querflöten paaren sich mit Moog Keyboards, funky New Orleans-Hörner kollidieren mit zappaesken Gitarrensoli. Und das 19-minütige Finale "The Clearing" kulminiert in Melodien von überirdischer Schönheit. Aufgenommen und gefilmt wurde das Ganze an zwei Tagen im Het Energiehuis in Dordrecht in einem spektakulären Setting. Wir dürfen dieses wundersame Ereignis nicht nur hören, sondern auch auf DVD bestaunen. Unbedingt empfehlenswert! Klicken Sie hier für den Albumtrailer.


UNSERE EMPFEHLUNG
Tore Brunborg / Slow Snow / ACT / 1 CD / € 17,99

Tore Brunborg ist wohl zu bescheiden, um zu den international bekannten Vorzeigemusikern der norwegischen Jazzszene zu zählen. Dabei blickt der 55-jährige Tenorsaxophonist auf mittlerweile drei Jahrzehnte als professioneller Musiker zurück und gehörte in den 80ern zusammen mit Arild Andersen, Jon Christensen, Jon Balke und Nils Petter Molvaer zur legendären Formation Masqualero. Als begehrter Sideman spielt er seit Jahren im Quartett von Tord Gustavsen und in der Band von Manu Katché. Anfang Januar 2014 entstand in einer dreitägigen Session im Osloer Rainbow Studio das Material zu "Slow Snow" - zehn Eigenkompositionen, die Brunborg auch als andächtigen Pianisten in der Tradition Gustavsens präsentieren. Schon im Opener "Shelter" tasten sich einfache Klavierakkorde über einem reduzierten Drum Beat vorwärts, bevor nach zweieinhalb Minuten ein rauchiges Saxophonmotiv den Track nach Hause bläst. Skandinavische Jazzschule prägt weite Teile des Albums. Schlichte Eleganz in der Produktion, vornehme Zurückhaltung in der Komposition. Steinar Raknes am Bass und der Schlagzeuger Per Oddvar Johansen sind eine unaufgeregte, mannschaftsdienliche Rhythm Section, meilenweit über den Durchschnitt gehoben wird "Slow Snow" aber durch die Gitarre von Eivind Aarset. Subtil und einfallsreich, ob als sphärische Untermalung oder verhakter Twang, bilden seine Sounds und Töne eine kongeniale Partnerschaft mit Brunborgs lyrischem Saxophon. Und mit dem treibenden Jazzrock von "Light A Fire, Fight A Liar" findet das Album auch noch ein furioses Finale. Weit mehr als die Summe der einzelnen Teile.

DREI, DIE SIE KENNEN SOLLTEN!

Am 8. Mai feierte Keith Jarrett, der wohl erfolgreichste und bekannteste lebende Jazzmusiker, seinen 70. Geburtstag. Ein in vielen Spielarten bewanderter Multiinstrumentalist, erlangte er seinen einzigartigen Status aber vor allem als Pianist im Trio und in Solokonzerten.

Keith Jarrett / Facing You / ECM (Universal) / € 9,99

"Facing You" von 1971 ist zweifellos eine der wichtigsten Platten in der Karriere von Keith Jarrett und vielleicht sogar in der Geschichte des Jazz. Jarretts erstes Album für ECM war stilbildend für das Genre Solopiano und eine deutliche Abkehr vom Mainstream Jazz. Meditativ, melodisch und ausgeprägt persönlich, sind die acht Eigenkompositionen eine Art Blaupause für sein späteres Werk. Schon der 10minütige Opener "In Front" zeigt das Register seines Könnens: Spielerisch, improvisiert wirkend und erfindungsreich schüttelt Jarrett seine Themen aus dem Ärmel.

Keith Jarrett Trio / Setting Standards / ECM (Universal) / 3 CDs / € 27,99

1983 traf sich Jarrett in einem New Yorker Studio mit dem Bassisten Gary Peacock und dem Drummer Jack DeJohnette zu einer von Manfred Eicher initiierten Session, bei der Standards des American Songbook gespielt wurden. In anderthalb Tagen entstand genügend Material für zwei Alben, die ECM damals als "Standards Vol.1 und Vol.2" veröffentlichte. Was Anfang der 80er von der Jazzpolizei noch kritisch beäugt wurde, entwickelte sich zu einer der langlebigsten Erfolgsstories des Trio Jazz. Das damalige Material, erweitert um ein drittes Album mit improvisierten Themen, liegt mittlerweile als 3-CD-Set vor und gilt als Meilenstein.

Keith Jarrett / Rio / ECM (Universal) / 2 CDs / € 19,99

Vergessen Sie das Köln Concert! Das absolut essentielle Live Album, auf dem Jarrett die gesamte Palette seines faszinierenden Könnens als Pianist ausbreitet, ist der Mitschnitt seines Auftritts im Teatro Municipal in Rio de Janeiro im April 2011. In 15 unbetitelten Stücken verwebt Jarrett improvisatorisch seine Eindrücke der Stadt und brasilianischer Musikkultur mit seiner 50jährigen Erfahrung als Jazzpianist für ein enthusiastisches Publikum. Magisch.

JUST RELEASED
Melody Gardot / Currency Of Man / Universal / 1 CD / € 17,99

Mit "Currency of Man" legt Melody Gardot ein zugängliches Album zu einem tiefgründigen Thema vor. Die bewusst schlicht gehaltenen Texte vertont sie anspruchsvoll und fügt sie zu einem ima- ginären musikalischen Film zusammen. Ein ganz großer Wurf! Sehen Sie hier einen Albumtrailer.

Mario Biondi / Beyond / Sony / 1 CD / € 16,99

Mit seiner dunklen, rauchzarten Stimme gilt Mario Biondi als Barry White Italiens. Für sein brandneues Studioalbum "Beyond" konnte er als Gastmusiker die legendäre Band The Dap-Kings gewinnen. Jazzgrößen wie Dee Dee Bridgewater und Jeff Cascaro schrieben Lyrics.

 

 

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