Aus dem Haus

Frisch auf dem Tisch: neue Alben von Iggy Pop und Primal Scream

  • 17.03.2016

Welche neue Alben sollten Sie nicht verpassen? Unser Musik-Chef Hannes Kraus hat zwei persönliche Plattentipps für Sie.


Iggy Pop / Post Pop Depression / Caroline (Universal) / 1 CD / € 15,99 / auch als Vinyl erhältlich

Wie geht ein Künstler mit seinem bisherigen Vermächtnis um, wenn er mit seinem Werk alle Höhen und Tiefen bereits ausgelotet hat? Im Falle von Iggy Pop begann es mit einer Textnachricht an Josh Homme (Queens Of The Stone Age) und führte zu den Aufnahmen des von Pop und Homme selbst finanzierten 17. Studioalbum von Iggy Pop, „Post Depression Blues“. Auch wenn es vordergründig keine Neuerfindung von Iggy Pop geworden ist - durch die Injektion frischen Blutes durch Josh Homme, Dean Fertita (QOTSA) und Matt Helders (Arctic Monkeys) wurde plötzlich eine neue Facette möglich, die der einprägsamen Stimme von Pop ein kräftiges Garage Rock beeinflusstes Bett macht und die seinen gesanglich immer noch vorhandenen Qualitäten in die Karten spielt.

Pop schickte Homme neben Textfragmenten auch Notizen zu seiner Zusammenarbeit mit David Bowie für die Klassiker „The Idiot“ und „Lust For Life“ Ende der 70er. Spätestens bei „American Valhalla“ ist der Einfluss aus der Bowie/Pop Ära deutlich zu hören. Erstaunlich, wie mühelos das Ensemble die Sensibilität dieser Zeit in in diesem Song umsetzt. Wäre nicht Pops gereifte Stimme zu hören, könnte es ein vergessener Outtake sein, der auch den beiden von Bowie produzierten Scheiben gut zu Gesicht gestanden hätte. Aber es geht tatsächlich bei „Post Depression Blues“ nicht um Nostalgie sondern um Schulterschluss verschiedener Generationen von Rockmusikern. Matt Helder liefert die Schlagzeug Arbeit, auf der Fertita, Homme und nicht zuletzt Iggy Pop eine Bestandsaufnahme abliefern, die so in den letzten 40 Jahren zu jeder Zeit in Pops Karriere zu Recht ein einzigartiges Album geliefert hätte.

Primal Scream / Chaosmosis / First International (Indigo) / 1 CD / € 15,99 / auch als Vinyl erhältlich

Bei Bobby Gillespie und Primal Scream zeigt die Formkurve weiter nach oben. Durch diverse Phasen der Neuerfindung der Band hat vor allem das kompositorische Element und die textliche Strahlkraft beigetragen und da ist der erste Song „Trippin' On Your Love“ das Bindeglied zwischen Primal Scream 1990 und 2016. Das rave-ige Piano Intro und der im Background durch die Haim Schwestern unterstützte Refrain stellen die Weichen für ein Best Of Primal Scream. Best of? Natürlich mehr im Sinne der besten Elemente, die die Band in ihrer langen Geschichte in ihren Sound einfließen ließ.

Auf „Chaosmosis“ hat Bobby allerdings den latent immer vorhandene Krawallmodus in ein leichter zugängliches Format modifiziert. Synth-Pop-Elemente prägen einige der Songs, wie das ebenfalls von Haim unterstützte "100% or Nothing". Und genau da offenbart sich die Stärke der Band. Ihre Refrains sind immer noch absolute Ohrwürmer, die vieles, was heute im konfektionierten Pop-Radio läuft, als Sandkastenmelodien deklassieren. Aber heftig wird es, wie zu erwarten, trotzdem: Das Lärmfest "When the Blackout Meets the Fallout" ist ein heftiger Kick ins Gesäß, wie das zuletzt auf dem 2000er Album „XTRMNTR“ häufiger zu hören war.

Primal Scream ist also weiter für Überraschungen gut, auch in der Auswahl der Gäste, wie die beiden Songs mit Haim bestätigen. Doch auch die besinnliche Akustiknummer „Private Wars“ mit der kanadischen Sopranistin Rachel Zeffira (Cat's Eyes) hat ihre Momente, ebenso wie das Duett "Where the Light Gets In" mit Sky Ferreira, zu dem es auch ein geniales Video gibt (die Weinkisten aus Holz, die am Anfang des Videos zu sehen sind, haben mich als DJ übrigens lange begleitet).

 

 

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