Aus dem Haus

Unser Album der Woche: "The Triad" von Pantha Du Prince

  • 20.05.2016
  • Pantha Du Prince / The Triad / Rough Trade Records (Indigo) / 1 CD, € 16.99 / 2 LPs, € 24,99 // Klicken Sie auf das Bild für die Cover-Galerie
  • Tamar Halperin / Satie / Neue Meister / 1 CD / € 17.99

Pantha Du Prince / The Triad / Rough Trade Records (Indigo) / 1 CD, € 16.99 / 2 LPs, € 24,99 // Klicken Sie auf das Bild für die Cover-Galerie

20. Mai
Unser Album der Woche: "The Triad" von Pantha Du Prince

Nur wenige aus dem weiten Feld der elektronischen Musik konnten sich in den letzten Jahren ähnlich vehement als Album-Künstler durchsetzen wie es Hendrik Weber aka Pantha Du Prince gelungen ist. Spätestens nach seinem 2010 erschienenen Album "Black Noise" hat er sich weltweit einen Namen gemacht als Musiker, der die Genregrenzen aufbricht und Einflüsse in seinen Klangkosmos integriert, die so in der zeitgenössischen Elektronik noch nicht zu hören waren. Mit seinem neuen Album "The Triad" setzt er neue Maßstäbe, an denen sich viele seiner Zeitgenossen messen lassen müssen.

Das erste Stück "The Winter Hymns" gibt die melodische Richtung vor, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Aufgenommen in Berlin, L.A. und Degenfeld, sind fast alle Tracks in Jams entstanden, die er mit seinen Mitstreitern wie Scott Mou (Queens) und Bendik Kjeldsberg (Bell Laboratory) in diversen Studiosessions erarbeitet hat - zumeist auf analogen Synthesizern. Auch die menschliche Stimme hat für Hendrik Weber eine neue zentralere Bedeutung, wie zu hören in der elegischen Mitternachtshymne "In an Open Space".

Ein weiteres herausragendes Album von Pantha Du Prince, das den Hörer in jeder Facette belohnt. Die Vielschichtigkeit der Stücke führt zum Entdecken von Kleinigkeiten, die tief im Soundgefilde versteckt sind und erst bei mehrmaligem Hören ihren ganzen Zauber entfalten. Hervorragend geeignet zur Vorbereitung einer langen Nacht draußen und ebenfalls äußerst empfehlenswert zum Herunterkommen danach.



13. Mai
Unser Album der Woche: "Satie" von Tamar Halperin

  
Eine ungewöhnliche Kombination: Die Israelin Tamar Halperin, die für die klassische Musik ihre Tenniskarriere aufgegeben hat, und Guy Sternberg, der alles in seinem Studio produziert hat außer Klassik.

Zwei Welten, eine Schnittmenge: Satie! Der Großmeister der klassischen Miniatur. Satie war ein faszinierender Komponist, der sich selbst als Phonometriker bezeichnete. Er war dem Dadaismus zugewandt, exzentrisch und rätselhaft. Deshalb funktioniert Halperins Ansatz der Interpretation, denn es kommen Facetten zum Vorschein, die mit Hörgewohnheiten brechen.

Der Ansatz ist radikal anders und lebt trotzdem von Werktreue. Halperin gelingt es, die Werke voller Enthusiasmus in einen veränderten Kontext zu setzen. Es gibt natürlich die Klavierinterpretationen. Aber auch das von Halperin geliebte und in Vollendung gespielte Cembalo kommt zum Einsatz. Auch eine Hammondorgel, ein elektrisches Wurlitzer Piano und ein Glockenspiel spielen groß auf. Sternberg veredelt den Sound mit elektronischer Überarbeitung und mit einem modularen Synthesizer Einsatz auf "Choral #1", das in seiner ungewohnten Klangfülle zu neuem Leben erwacht.

Für den Einstieg empfehle ich Gymnopedie #2. Eine wunderschön klingende Hammondorgel spielt die Melodie, der Bass auf dem Cembalo und elektronische Pads befördern das Stück anschaulich in eine neue Klangdimension.

Ebenfalls empfehlenswert: Michael Wollny, Tamar Halperin, hr-Big Band / Wunderkammer XXL / ACT / 1 CD / € 9,99


6. Mai
Unser Album der Woche: "Hopelessness" von Anohni

Antony And The Johnsons war gestern. Anohni ist heute und morgen… Wenige Künstlerinnen definieren sich so vehement über ihre Stimme, diese düstere Melancholie in Musik und Texten, wie Antony Hegarty dies bisher in ihrer langen Karriere getan hat. Seit einem Jahr wissen wir nun um den veränderten Namen.

Jetzt hat das Warten ein Ende und „Hopelessness“ von Anohni steht im Regal. Was hat sich geändert? Musikalisch bewegt sie sich mehr auf einem stark von Synth-Pop geprägten Album, das so seit 1980 jeder Zeit hätte erscheinen können. Ihre kongenialen Partner Hudson Mohawke und Oneohtrix Point Never verstehen es perfekt, ihre Stimme in diesem Klangkosmos auf spannende Weise zu inszenieren. Erstaunlicherweise haben die Songs zwar eine nicht zu überhörende Melancholie, aber die entsteht gerade durch die brüchige, androgyne Stimme von Anohni.

Ein ganz anderes Kaliber sind die Texte. Sei es eine Abrechnung mit Obama und dessen Lavieren zwischen politischem Kalkül und der in ihn gesetzten Hoffnungen oder „Crisis“, bei dem Anohni den Drohnenkrieg und seine Auswirkungen auf die Entwicklungen in der Welt prägnant zusammenfasst.

Anohni / Hopelessness / Indigo / 1 CD, € 15,99 / 1 Vinyl, € 22,99  

 

29. April
Unser Album der Woche: "HITnRUN Phase Two" von Prince


Langsam reift die Erkenntnis, dass es ab jetzt keine wirklich neuen Werke von Prince geben wird. Die Archive sollen zwar voll sein, aber das hat er ja alles bereits aufgenommen. Umso passender ist es, dass jetzt doch noch ein von Prince konzipiertes Album erscheint: „HITnRUN Phase Two“, quasi das Vermächtnis dieses musikalischen Genies. Die Vielfalt seines musikalischen Schaffens eröffnet sich bereits in den ersten vier Songs des Albums. Es gibt New Power Generation-Funk, Hörner und Streicher, eingängige Melodien und eine wahrlich großartige verjazzte P-Funk-Ballade mit dem Titel „Look At Me, Look At U“.

Prince, HITnRUN Phase Two, NPG Records (Universal), 1 CD, € 18, 99
  

15. April 2016
Unser Album der Woche: "The Hope Six Demolition Project" von PJ Harvey

Es gab bereits viel zu lesen über das neue Album von PJ Harvey, „The Hope Six Demolition Project“. Zum einen über die ungewöhnliche Art, wie das Album in einem gläsernen Studio im Somerset House in London vor Gästen eingespielt wurde. Und auch über den Inhalt und die Referenz zum Hope VI Programm, welches in Washington DC, USA, dazu führen sollte, in heruntergekommenen Vierteln die Wohnsubstanz zu verbessern mit dem fatalen Ergebnis, dass die ursprünglichen Bewohner sich die Mieten in den renovierten Häusern nicht mehr leisten konnten.

Die Kammer-Pop artig angelegten Songs beziehen Stellung, beschreiben die Situation der Betroffenen und halten den Mächtigen den Spiegel vor. Allerdings gelingt es PJ Harvey, ähnlich wie Kendrick Lamar auf „To Pimp a Butterfly“, diese Themen mit ihren Mitstreitern (Youth, Terry Edwards,) musikalisch so spannend zu gestalten, dass sie auch im privaten Kontext ihre Wirkung entfalten.

Es sind Songs des Widerstands, erschütternde Reportagen in Songform, die keine Antworten bieten, aber als wesentliches Thema eben diese Ohnmacht transportieren und die an vielen Stellen auch die Ohnmacht der Künstlerin abbilden.

In unserer Zeit braucht es eine PJ Harvey, die aufgrund ihres Ansehens und ihres Status in der Musikwelt diese Themen anpackt. Offensichtlich ist die junge Generation von Musikern nicht in der Lage, diese Themen wenigstens in einem Song zu verarbeiten. Gut das PJ das auf Albumlänge macht und damit zeigt, dass es auch in unserer Zeit weiterhin wichtig ist, bei aktuellen Themen nicht weg zugucken, sondern Stellung zu beziehen.

1. April 2016
Unser Album der Woche: "Everything You’ve Come To Expect" von The Last Shadow Puppets

Schaut man sich die Karriere von Alex Turner und seiner Hauptband, den Arctic Monkeys an, dann merkt man, dass kein Album dem anderen gleicht. Was erwartet man also von einer Platte mit dem Titel “Everything You’ve Come To Expect“. Die Sicherheit des Unerwarteten?

Genau das jedenfalls liefert Turner zusammen mit Miles Kane auf ihrem zweiten Album als Last Shadow Puppets. Acht Jahre haben sich die beiden zwischen dem Vorgänger “The Age of the Understatement“ und dem aktuellen Release gelassen. Eine halbe Ewigkeit in der Musik. War beim Erstling, einem kleinen Meisterwerk aus 60s Pop mit cinematischen Streichern, der Einfluss von Scott Walker noch in jeder Melodie hörbar, so sind die Einflüsse auf “Everything You’ve Come To Expect“ weiter gestreut.

Musikalisch befindet sich das Duo jedoch mit einem Fuß noch immer tief im Sound der 60er. Wunderbar zu erkennen am Albumopener “Aviation“, der mit seinem Intro aus Streichern und Rhythmus einen an Lee Hazlewood erinnert und damit noch am meisten nach dem Debütalbum klingt. Doch danach erklingt das Unerwartete. Ob beim Titeltrack die psychedelische Einflüsse in der Melodie, die wie eine Mischung aus Pet Sounds und Sgt. Pepper klingt, oder bei “The Element of Surprise“ der groovende Bass, der zusammen mit dem Gitarrenriff an den Beginn der 70er erinnert, bevor der Soul als Funk extrem tanzbar wurde. "Sweet Dreams, TN“ dagegen grenzt in manchen Momenten schon fast an Country. Anderswo zeigen sich Bowies Blue Eyed Soul, Funk, ein wenig Isaac Hayes, Gainsbourg. “The Dream Synopsis“ erinnert mit seiner Pianomelodie dagegen an John Lennon als Solokünstler.

Textlich bewegen sich die beiden entweder zwischen heilloser Direktheit oder purer Abstraktion. Den Rahmen schaffen die Streicherarrangements von Owen Pallet, der sich auch schon auf dem Debütalbum dafür verantwortlich zeichnete. Aufgenommen wurde die Platte übrigens in Kalifornien, im legendären Shangri La Studio – und auch das ist ein hörbarer Einfluss. “Everything You’ve Come To Expect“ wirkt entspannter als der Vorgänger.

Durch die Vielschichtigkeit des Songwritings ist es eines dieser seltenen Alben, die nach mehreren Durchgängen nur noch interessanter werden.

 

 

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