Aus dem Haus

Kurz, knapp, subjektiv: Unsere aktuellen Plattenkritiken

  • 31.03.2017

China Moses: Nightintales

Was kann es Faszinierendes geben, als China Moses, die von einer Märchennacht (Nightintales) erzählt? Rauschhafte Zustände, Anfang und Ende einer Liebe, Nikotin, Verlust - alles drin in den jazzigen Songs dieser außergewöhnlichen, wandlungsfähigen modernen Ikone. Und grooven tut’s an allen Ecken und Enden. Hatte ich schon die fantastische Band erwähnt? Die brennen ein echtes Feuerwerk ab und geben China den Freiraum, mit ihrer Stimme so richtig los zu gehen. Viel Spaß!

Somi: Petite Afrique

War ihr letztes Album „The Lagos Music Salon“ 2014 schon eine veritable Überraschung, beeindruckt Somi auf ihrem neuen Album mit einer Grenzen sprengenden Verquickung ihrer afrikanischen Wurzeln und ihrer Lebenserfahrung in den USA. Die komplexe Rhythmik, der unglaubliche Bass von Michael Olatuja, Somis samtige Stimme und die eindringlichen Texte prägen die rundum außergewöhnliche Scheibe. Viel Neues zu entdecken, viel Bewährtes neu überarbeitet - das ist „Petite Afrique“.

Musikdokumentation: Nick Cave & The Bad Seeds - One More Time With Feeling

Zum Release des aktuellen Albums „Skeleton Tree“ im letzten Jahr fand diese außergewöhnliche Musikdokumentation den Weg ins Kino. Und immer wieder stellte sich die Frage, ob es sie auch irgendwann fürs Heimkino gibt. Jetzt ist es soweit. Andrew Dominik ist eine glänzende Momentaufnahme gelungen, in dem er die Entstehung von „Skeleton Tree“ in eindringlichen Bildern umsetzt und Nick Cave zeigt, wie er einen Weg aus der Dunkelheit seines schmerzlichen Verlustes findet.

Goldfrapp: Silver Eye

Alison meldet sich mit Will und ihrem mittlerweile siebten Album „Silver Eye“ zurück. Es gibt die bewährten Zutaten aus Synthie-Pop und Disco mit angenehmen Ambient Elementen und wie immer catchy Songs. Besonders „Anymore“ ist ein fieser Ohrwurm, der sich genau in diesem Spannungsfeld suhlt. Als Soundalchemisten haben sie es Goldfrapp immer schon geschafft, Einflüsse spannend zu integrieren und damit etliche Nachahmer im Popkanon zu inspirieren (u. a. Katy Perrys „I kissed a girl“). Vielleicht werden wir in den nächsten Monaten etliche Derivate des vielleicht besten Songs des Albums, Moon In Your Mouth,“ hören. Bis dahin haben wir Goldfrapp.

Y’akoto: Mermaid Blues

Eine beständige Weiterentwicklung ist das Markenzeichen von Y’akoto. Auf ihrem neuen Album agitiert sie, löst Kopffilme aus, teilt intim mit Klavierbegleitung Traurigkeit, will sonntags nie mehr alleine sein – das alles verpackt im einzigartigen Meerjungfrau-Blues. Ein erneut ebenso spannendes wie abwechslungsreiches Album.

Max Prosa: Keiner kämpft für mehr

Max Prosa hat sich eine Auszeit gegönnt. Um Kopf und Leben ordnen nach den in kurzer Folge erschienen ersten beiden Alben. Die vier Jahre haben sich so auch vierfach gelohnt. Zum einen hat sich sein musikalischer Horizont nochmal deutlich geweitet, seine Sprache ist noch lyrischer geworden, seine Musik intensiver und tiefer, sein Gesang euphorischer. Als Bonus zum Album gibt es eine DVD mit einem Porträt, das Einblick in die Welt von Max bietet. „Glücklich mit nichts“ enthält die Kernzeile seines bisherigen Lebens: „Ich wollte immer nur singen“. Danke Max! Schön, dich wieder zu haben!

Wire: Silver/Lead

Die (Post-)Punk-Pioniere Wire feiern ihren 40. Geburtstag mit eienm neuen Album. Auch nach dieser Zeit hat die Band nichts von ihrer Bedeutung verloren. Die drei Gründungsmitglieder Grey, Lewis und Newman knüpfen mit dem aktuellen Gitarristen Simms nahtlos an die aktuellen Alben an. Trotzdem finden sie einen Weg, ihre Ursprünglichkeit, die ihren mythischen Ruf definiert hat, einfließen zu lassen. Am am Sonntag, 7, Mai stellen sie ihr Album im KulturKaufhaus vor und signieren anschließend. Mehr geht nicht!

Tim McMillan: Hiraeth

Es gibt Sänger, es gibt Songschreiber und dann gibt es auch noch die Kombination aus beidem. Tim McMillan ist vor allem Musiker und fliegt leider noch immer unter dem Radar. Das ändert sich aber jetzt hoffentlich mit seinem neuen Album. Der Australier mit temporärem Wohnsitz in Berlin ist ein exzellenter Gitarrist, der sich überall bedient, um seine Virtuosität bei jedem Album komplett neu zu definieren ohne seine Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Wer das nicht glaubt, sollte dringend die Tour De Force von „Zaxo“ anhören mit Phil Campbell (Motörhead), Ugly Kid Joe und Bär McKinnon (Mr Bungle). Danach ist alles klar!

 

 

0 Kommentare

Mein Kommentar

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare

Dussmann das KulturKaufhaus

Mo-Fr 09-24 Uhr

Sa 09-23:30 Uhr

Tel: +49-30-2025-1111

Archiv