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Aus dem Haus

Jazz-News aus dem KulturKaufhaus mit XJAZZ, Jazz Passengers, Express Brass Band und mehr

  • 02.05.2017

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Jazz Passengers / Still Life With Trouble / Enja (Soulfood) / 1 CD / € 17,99

Die Jazz Passengers sind eine Mixtur aus kompetenter Post Bop Combo und anarchischer musikalischer Comedy - sozusagen eine jazzige Version von Zappas Mothers of Invention. Ihre Wurzeln liegen in der kulturellen Vielfalt des New Yorker East Village der frühen 80er, wo Punks, avantgardistische Musiker, Boheme-Poeten und unabhängige Filmregisseure oder Theatermacher untereinander künstlerische Grenzen ausloteten.

Der Saxophonist Roy Nathanson und der Posaunist Curtis Fowlkes, die damals in einer späten Inkarnation von John Luries Lounge Lizards spielten, gründeten die Band 1987 und rekrutierten weitere Lizards wie den Gitarristen Marc Ribot und Drummer E.J. Rodriguez sowie den Bassisten Brad Jones und den Vibraphonisten Bill Ware. Als eine Art Hausband der Knitting Factory, dem damaligen Zentrum der experimentellen Musik im Village, spielten sie eine wilde Mischung aus komplexen Jazzharmonien, bluesigen Themen und New Yorker Street Sounds mit komödiantischen Einlagen. Mitte der 90er feierten sie kommerzielle Erfolge mit Major-Label-Veröffentlichungen und Gastsängern wie Elvis Costello oder Jeff Buckley. Die Blondie-Frontfrau und Pop-Ikone Debbie Harry galt einige Jahre sogar als festes Mitglied der Band. Trotz hunderter anderer Projekte der gefragten Instrumentalisten fand sich der Kern der Formation über die Jahre immer wieder zu Aufnahmen oder Konzerten zusammen. Jetzt begehen sie ihr 30jähriges Bestehen tatsächlich mit einem neuen Studioalbum.

Ergänzt um einen zweiten Schlagzeuger (den exzellenten Ben Perowsky) und mit dem Violinisten Sam Bardfeld anstelle von Marc Ribot (der auf einem Track gastiert) grooven sich die fünf Originalmitglieder durch acht Eigenkompositionen von ungewöhnlicher Bandbreite. Da gibt es den Blues-Opener "Paris", eine Latin-infizierte Referenz an Zugfahrten durch Europa mit dem schönen Titel "Gleis, Spoor, Binario" oder die coole Vokalnummer "Wake Up, Again" mit Ribots delikaten Gitarrenlicks. Einzige Coverversion ist der 70er-Soul-Hit "Everybody Plays The Fool", von den Passengers zu einer federnden Jazzsamba umgemodelt. Instrumentierung und Zusammenspiel ist durchgängig oberstes Champions-League-Niveau und alle Beteiligten bekommen ausreichend Möglichkeiten, auch solistisch zu glänzen ("Where's Lonely Junior"). Was die Jazz Passengers von der Konkurrenz abhebt, ist das augenzwinkernd Anarchische ihrer Musik. Frank Zappas Frage "Does Humor Belong In Music?" beantworten sie mit einem "Definitely So"!

Express Brass Band / Pluto kein Planet / Trikont (Indigo) / 1 CD / € 18,99

Er wollte einfach eine Band zum Rumlaufen, erklärt Wolfi Schlick, Kopf und (Mit)begründer der Münchner Express Brass Band. Seit bald 20 Jahren organisiert er dieses Kollektiv von mittlerweile etwa zwei Dutzend Musikern, die überwiegend Saxophon, Posaune, Trompete oder Percussions bedienen, aber auch vor Banjo oder Dudelsack nicht halt machen. Schlick selbst spielt Tuba, Sopransax und Querflöte. Inspiration für den Klangkörper kommt aus unterschiedlichsten Richtungen: die Marching Bands aus New Orleans, Sun Ra Arkestra, Lester Bowie's Brass Fantasy, das Sogenannte Linksradikale Blasorchester von Heiner Goebbels und Alfred Harth und vor allem die reiche Tradition der alternativen Straßenmusik des Mittelmeerraumes. Seit vielen Jahren sind EBB gern gesehene Gäste bei süditalienischen Sbandatas oder Umzügen in Marseille.

Für die überwiegend Nicht-Profi-Musiker sind schon Auftritte außerhalb des Münchner S-Bahn-Rings eine kleine logistische Meisterleistung. An regelmäßige Studioaufnahmen ist da erst gar nicht zu denken. 2004 erschien das in zwei Tagen entstandene Album "Oriental Journey". 2013 dann "We Have Come", ein Flickenteppich aus Konzertmitschnitten, Liveaufnahmen aus dem Proberaum und Studiotakes, der erstaunlich homogen klingt und einen vorzüglichen Querschnitt durch das Programm der EBB darstellt. Höchst erfreulich ist daher, dass 2016 in einigen konzentrierten Sessions in München und Südtirol ein komplettes Studioalbum eingespielt werden konnte.

Wären die 14, mehrheitlich von diversen Bandmitgliedern komponierten Tracks, ein Cocktail, hätte sich der Barkeeper einmal quer durchs Flaschenregal arbeiten müssen. Hier stolpert ein Ska-Rhythmus, dort erwacht eine noch etwas schläfrige Cumbia aus ihrer Siesta. Trompetenfanfaren zerschneiden pumpende Bässe, eine Klezmer-Klarinette fliegt durch ein Tschingderassa von Becken und Zimbeln. Baile Funk, kongolesische Rumba und New Orleans Jazz prosten sich am Stammtisch zu. Herrlich ist der augenzwinkernde Take von Sun Ras "Nuclear War" ("it's a motherf***er, don't you know"). Eingerahmt werden die Tracks von zwei arabischen Stücken, die zusammen mit dem Trio Jisr (Brücke) aufgenommen wurden - einer Formation des aus Marokko stammenden Münchners Mohcine Ramdan mit zwei erst vor kurzem aus Syrien über die Balkanroute geflüchteten Musikern. Die Express Brass Band ist Jazz-gewordene, offenherzige Willkommenskultur auf 48 Beinen.

China Moses / Nightintales / MPS (Edel) / 1 CD, € 17,99 / 1 Vinyl, € 21,99

Was kann es faszinierendes geben als China Moses, die von einer Märchennacht (Nightintales) erzählt? Rauschhafte Zustände, Anfang und Ende einer Liebe, Nikotin, Verlust ... alles drin in den jazzigen Songs dieser außergewöhnlichen wandlungsfähigen, modernen Ikone. Und grooven tut's an allen Ecken und Enden. Hatte ich schon die fantastische Band erwähnt? Die brennen ein echtes Feuerwerk ab und geben China den Freiraum, mit ihrer Stimme so richtig los zu gehen. Seit 1996 begeistert China Moses mit ihrer atemberaubenden Stilvielfalt Connaisseure außergewöhnlicher musikalischer Abenteuer. Vielleicht hat ihre Mutter Dee Dee Bridgewater ihr das mit in die Wiege gelegt. Auch wenn China Moses der ganz große Erfolg bisher verwehrt blieb, hat sie sich einen treuen Fankreis ersungen. Jetzt gibt es ihr neues Album auf dem MPS Label, das in den letzten zwei Jahren eine Reihe bemerkenswerter Scheiben veröffentlicht hat. Mein Favorit auf "Nightintales" ist "Blame Jerry" mit dem unvergleichlichen Theo Croker. Irgendwie Oldschool, aber in einer Intensität, die sich gewaschen hat.

JAZZY THING
Ein Telegramm, das fast Musikgeschichte geschrieben hätte Als Jimi Hendrix Paul McCartney zu einer gemeinsamen Session mit Miles Davis eingeladen hat

"How about coming in to play bass?" Am 21. Oktober 1969 setzte Jimi Hendrix ein Telegramm auf. Der Empfänger: Paul McCartney. Die kurz formulierte Frage: ob der Bassist der Beatles bei einer gemeinsamen Aufnahmesession mit Miles Davis und dessen Schlagzeuger Tony Williams mitmachen wolle. Ob Paul McCartney das Telegramm jemals gelesen hat, ist nicht bekannt. Die von Hendrix angedachte Super Group kam jedenfalls nicht zustande und zurück bleibt eine der großen Was-wäre-wenn-Fragen der Musik-Geschichte.

Mehr zu dem Telegramm und seinen Hintergründen beschreibt dieser Artikel aus der britischen Wochenzeitung The Telegraph.

FESTIVAL DES MONATS
XJAZZ Festival 2017 / 3. - 7. Mai / verschiedene Orte

Das XJAZZ Festival ist in kürzester Zeit zu einem Highlight des Veranstaltungskalenders der Hauptstadt geworden. Im nunmehr vierten Jahr lässt sich mit Fug und Recht von einem Frühlings-Pendant zur langjährigen und etablierten Institution Jazzfest Berlin im Spätherbst sprechen. Wie in den vergangenen Jahren findet auch XJAZZ 2017 wieder in diversen unterschiedlichen Kreuzberger Spielstätten entlang der Hochbahn und fußläufig voneinander entfernt statt. Das gewährleistet einen logistisch problemlosen Besuch verschiedener Veranstaltungen auch am selben Abend.

Auf der Karte steht wie üblich Jazz, Jazzverwandtes und Zeitgenössisches, gerne auch lokal und regional geprägt. Die Veranstalter, teils selbst aktive Musiker, sind mit der hiesigen Szene bestens vertraut und vernetzt. Auch das Festival-Schwerpunktland ist dieses Mal naheliegend: Polen. Von dort kommen beispielsweise der außergewöhnliche Violinist Adam Baldych (im Duo mit dem norwegischen Pianisten Helge Lien), die vielversprechende Pianistin Aga Derlak mit ihrem Trio, die junge Sängerin Natalia Mateo und als Highlight das virtuose Atom String Quartet zusammen mit Vladyslav Sendecki, einem der anerkannt weltbesten Pianisten.

Sollten Sie nicht wissen, wo Sie zuerst hingehen sollen, kann ich Sie beruhigen - auch ich stehe vor dem Programmplan wie vor der Kuchentheke meines Lieblingskonditors. Erfahrungsgemäß sind für mich unbekannte Acts und neue Namen mindestens ebenso interessant wie die bekannteren Künstler oder die Festivalstars.

Wer sonst eher klassische Musik mag, sollte sich vielleicht den Kammer-Jazz des Bassisten Dieter Ilg gönnen, der im Trio mit Rainer Böhm und Patrice Héral Werke von Beethoven interpretiert, oder mit Federico Albanese einen neuen Meister des Piano-Minimalismus bewundern.

Feiertage gibt es für Freunde des Afro-Jazz. Schlagzeuger Tony Allen, der Godfather des Afrobeat, kommt im Quartett mit einem Art Blakey-Tribute-Programm, der nigerianische Altmeister des Saxophon, Orlando Julius, wird begleitet von den Londoner Soul/Funk-Spezialisten The Heliocentrics und von unmittelbar vor der Haustür stammen die famosen Onom Agemo and the Disco Jumpers des rührigen Saxophonisten Johannes Schleiermacher.

Einige hochinteressante Vertreter des neuen britischen Jazz geben ihre Visitenkarte ab. Trompeter Matthew Halsall hatte schon im Vorjahr einen triumphalen Auftritt in der Emmauskirche, die junge Trompeterin Laura Jurd dürfte mit ihrer Formation Dinosaur für ähnliche Begeisterung sorgen. Moses Boyd wurde letztens selbst vom renommierten Guardian gewürdigt und das Nu Jazz Duo Yussef Kamaal haben wir ihnen erst im Februar an dieser Stelle wärmstens empfohlen.

Alle Infos zu den Acts, den Veranstaltungsorten und - zeiten und den abgestuften Eintrittspreisen finden Sie auf der Festivalwebsite, auf Facebook oder im handlichen Programmheft, das Sie selbstverständlich bei uns im Kulturkaufhaus kostenlos mitnehmen können.

 

 

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