Aus dem Haus

Kurz, knapp, subjektiv: aktuelle Plattenkritiken

  • 19.06.2017

Unser Musik-Chef Hannes Kraus hat sich wieder durch einen Stapel neuer Platten gehört. Hier sind seine persönlichen Empfehlungen.

2Raumwohnung: Nacht und Tag

Die neue Partybombe der 2RMW ist da. Ein opulentes Werk, bei dem Inga und Tommi eine ordentliche Schippe Elektropop drauf gelegt haben. Natürlich sind die liebgewonnen Ingredienzien alle wieder an der richtigen Stelle platziert. Aber es gibt jeweils zwei Interpretationen der neuen Songs, zum einen Tag und zum anderen Nacht. Und Inga singt zum ersten Mal auch englische Passagen, was für das weltweite Partyvolk sicher hilfreich ist, in die Gedankenwelt der 2RMW einzutauchen. Berlin-Album des Monats!

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Fleet Foxes: Crack-Up

Das neue Album der Foxes ist wahrlich kein Easy Listening. Doch gerade das macht den Charme der Band aus. Und es belohnt den geneigten Hörer mit wunderschönen Melodien und abwechselnd faszinierenden und irritierenden Texten. Manchmal scheint eine tiefe Verunsicherung über den erlangten Ruhm durch zukommen. Aber dank des Verzichts auf standardisierte Songstrukturen (Strophe-Refrain-Strophe…) führt der erneuerte episodischere Ansatz zu erstaunlichen Ergebnissen. Kopfplatte, die das Herz mitschwingen lässt.
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Beth Ditto: Fake Sugar

Beth Ditto ist alles andere als Fake. Ihre Stimme ist einzigartig, geprägt durch Indie und Soul wie bei The Gossip, oder jetzt auf ihrem Soloalbum. Also kein Grund zur Trauer wegen dem Ende ihrer Band. Das Multitalent lässt es auch hier wieder richtig krachen. Sei es auf der ersten Single „Fire“ oder auf „Oh La La“ - blöder Titel, Hammer-Song mit Disco Stones Shuffle. 12x Beth im Southern Punk Swagger Modus!
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Royal Blood: How Did We Get So Dark?

Wo wir gerade beim Swagger Modus sind: Als Royal Blood vor drei Jahren quasi aus dem Nichts die Hard rockende Welt aufgemischt haben, gab es kein anderes Drum-und-Bass-Duo, das ehrlicher und gewaltiger um die Ecke kam. Drei Jahre später ballern die beiden Berserker wieder los mit einem 5-Sterne-Rock-Album, das selbst in den eigenen vier Händen zu Moshpit-ähnlichen Zuständen führen dürfte. Laut genug gehört vielleicht sogar im ganzen Haus. Die neuen Rockgötter, auch nach Jimmy Pages Gnaden, und der muss es ja wissen!
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Ride: Weather Diaries

Shoegaze? Da war doch was! Erst Lush, dann Slowdive und jetzt Ride. Das Erstaunliche: Die Band hat eine Wucht, die so jung und frisch klingt, dass ich mich ernsthaft frage, was die Jungs in der letzten Zeit so gemacht haben. Auf jeden Fall ihren Sound hochgradig modernisiert. Dank Psychedelic Pop-Tupfern und der sauberen Auf-die-Zwölf-Produktion von Erol Alkan zeigen sie der jungen Garde des Genres lässig wo der Hammer hängt. Mehr als nur eine Fan-Veranstaltung!
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Stephan Sulke: Liebe ist nichts für Anfänger

Alle Deutsch-Poeten aufgepasst: der Stephan hat eine klare Botschaft für alle jungen Künstler, die auf Deutsch über Liebe singen. Das ist definitiv nichts für Anfänger. Kann auch echt blöde sein. Ein Liedermacher, der überraschend sein neues Album auf der Berliner Institution Staatsakt veröffentlicht und dem man seine über 50 jährige Erfahrung anmerkt. Wie immer übrigens ein Album für Männer, die gerne Frauenversteher wären und für Frauen, die das längst sind, dank Stephan Sulke!
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The Strypes: Spitting Image

Die jungen Iren waren bereits im Pubertätsalter eine ernstzunehmende Macht. Beseelt von Pub Rock und Dr. Feelgood Rhythm‘n’Blues-Einflüssen und von Paul Weller geadelt. Mittlerweile gibt es ihr drittes Album und sie sind musikalisch unfassbar gut geworden. Sie bewegen sich jetzt in der Mod Revival Welt, um mit „Behind Closed Doors“ gleich neue Maßstäbe zu definieren und mit „Oh Cruel World“ Bo Diddley zu huldigen. Warum? Weil sie es können! Spielfreude und tolle Indie Club-Ohrwürmer ohne Ende.
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Can: The Singles

Alle Singles und B-Seiten in chronologischer Reihenfolge von Can - der neben Kraftwerk wohl einflussreichsten deutschen Band der letzten 50 Jahre. Vom Erweckungsmoment „Spoon“ bis „Vitamin C“ und einer zu Unrecht übersehenen Single „Turtles Have Short Legs“. Neben den bahnbrechenden Alben endlich eine Werkschau, die Can auch als Singles-Band nachhaltig würdigt. Kosmische Pop-Musik vom Feinsten!
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