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Rezensionen aus unserem aktuellen Jazz-Newsletter

Aus den vielen neuen Platten hat unser Mitarbeiter Stefan Schmidt für den aktuellen JAZZ-NEWSLETTER seine persönlichen Favoriten herausgepickt und rezensiert. 

Alle Tracks, die wir Ihnen hier empfehlen, finden Sie noch einmal gesammelt in DIESER PLAYLIST.

 


 

Binker Golding: Abstractions Of Reality Past And Incredible Feathers

Ein höchst empfehlenswertes Album für alle Fraktionen unter den Jazzheads.

Der Saxophonist Binker Golding ist mit Anfang 30 schon so etwas wie ein „elder statesman“ der jungen Londoner Szene, die seit einigen Jahren frisches Blut in den zeitgenössischen Jazz pumpt. Bisher stand er im Duo mit Moses Boyd vor allem für polyrhythmische, improvisiert wirkende Jazzfunk-Eruptionen an der Grenze zum Kontrollverlust, die in ihrer Atemlosigkeit nur eines nicht hatten: Swing.

Es kann daher getrost als Überraschung bezeichnet werden, was man auf Goldings neuem Album zu hören bekommt. Schon der erste Track „I Forgot Santa Monica“ swingt wie Hölle. Angestachelt von einer groovenden Bassfigur und einem eingängigen Pianomotiv entzündet Golding ein Feuerwerk swingender Soli. Klingt eher nach einem unveröffentlichten Killer-Outtake von Sonny Rollins „Saxophon Colossus“ als nach South London 2019.

Golding arbeitet zum ersten Mal auf einem Album im Quartett, begleitet von jungen Hirschen aus seinem musikalischen Umfeld. Pianist Joe Armon-Jones hat soeben sein zweites Soloalbum fertiggestellt und ist zudem Teil des angesagten Nu Jazz Quintetts Ezra Collective. Bassist Daniel Casimir und Drummer Sam Jones begleiten mit ihm zusammen auch die Saxophonistin Nubya Garcia.

Der Formation gelingt auf schlüssige und überzeugende Weise ein Brückenschlag vom Jazz früherer Dekaden hin zu einer frischen und modernen Spielweise mit einer klaren eigenen Handschrift. Die selbst geschriebenen Kompositionen sind gespickt mit griffigen hooks und spektakulären Soli. Aufgenommen in den legendären Abbey Road Studios überzeugt das Album, wie beim Gearbox-Label üblich, auch durch exzellente Klangqualität (Mix: James Farber). Ein höchst empfehlenswertes Album für alle Fraktionen unter den Jazzheads.

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Jamie Branch: Fly Or Die II – Bird Dogs Of Paradise

Ungezähmte, freigeistige Klänge gegen grassierende Engstirnigkeit!

Die vielleicht auffälligste Erscheinung auf dem Berliner Jazzfest 2018 war die amerikanische Trompeterin Jaimie Branch - und das nicht nur wegen ihres Bühnenoutfits aus Jogginganzug und Basecap. In der ungewöhnlichen Besetzung mit Cello, Kontrabass und Schlagzeug eroberte sie das anfangs reservierte Publikum mit energisch vorgetragenen, schlüssigen Kompositionen und einer gesunden Portion musikalischer (und verbaler) Radikalität.

Mittlerweile in New York ansässig, liegt ihre musikalische Heimat in Chicago und der dortigen Free Jazz- und Avantgarde-Szene. Nach jahrelanger Arbeit in diversen Projekten erschien 2017 ihr vielbeachtetes Debütalbum „Fly Or Die“, das Branch und ihre Mitstreiter auch erstmals nach Europa führte. Auf dieser Tour entstand das Material für den nun vorliegenden zweiten Streich „Fly Or Die II – Bird Dogs Of Paradise“.

Während eines längeren Aufenthalts in London studierte und probte die Band einen Tag die originell aus Noten, Wörtern und Farben notierten Kompositionen, spielte sie dann an zwei Abenden live und finalisierte die Aufnahmen an weiteren zwei Tagen im legendären Kulturzentrum „Total Refreshment Centre“.

Diese spontane Arbeitsweise ist in jeder Sekunde des fertigen Albums präsent (zwei der neun Tracks sind sogar Livemitschnitte der „Testkonzerte“). Die verspulten, rhythmisch subtilen Fundamente von Cello, Bass und Drums werden immer wieder zerschnitten durch schrille Trompetenfetzen. Und im 12-minütigen Meisterstück „Prayer For Amerikkka“ rotzt Branch über einem mächtigen Bluesriff eine punkige Anklage gegen die „bunch of wide-eyed rascists“ heraus. Ungezähmte, freigeistige Klänge gegen grassierende Engstirnigkeit.

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Krokofant: Q

Extrem dicht und massiv treiben sich die Musiker zu instrumentalen Höchstleistungen. 

Vorsicht bei der Namenswahl! Krokofant klingt zwar eher nach Hip Hop für Vorschulkids als nach ernstzunehmendem Jazz, aber so kann man sich täuschen. Stellt man sich nämlich ein monströses, trötendes Ungeheuer mit jeder Menge Biss vor, kommt man der Sache schon näher.

Die norwegische Formation dieses Namens (Gitarrist Tom Hasslan, Schlagzeuger Axel Skalstad und Saxophonist Jorgen Mathisen) gehört zur seltenen Spezies furchtloser Innovatoren, die sich mit ihrer Musik weder um Konventionen noch um Zugänglichkeit scheren. Auf bislang drei Alben zimmerte das Trio einen Klangkörper zusammen, der zu gleichen Teilen aus 70er Jahre Jazzrock im Stil des Mahavishnu Orchestra, akademischem Progressive Rock der härteren Sorte (King Crimson) und unbändiger Improvisation bestand.

Offenbar erschien den drei Musikern der kompakte Sound noch ausbaufähig, denn auf ihrem neuen Album mit dem knappen Titel „Q“ präsentiert sich Krokofant als Quintett. Neu dabei sind mit Keyboarder Stale Storlokken und dem Bassisten Ingebrigt Haker Flaten zwei erfahrene Musiker, die von Free Jazz bis Motorpsycho in der norwegischen Musikszene einige Spuren hinterlassen haben.

Ein 4-teiliges Powerhouse von gnadenloser Intensität.

Das Ergebnis der gemeinsamen Session ist ein 4-teiliges Powerhouse von gnadenloser Intensität. Extrem dicht und massiv, zwischen schweren, bluesigen Figuren und atemberaubendem Tempo, treiben sich die fünf Musiker zu instrumentalen Höchstleistungen. Extrovertierte Saxophonsoli, schroffe, splitternde Gitarrenriffs und treibende Orgelpassagen, durchbrochen von melodisch-markanten Motiven, hinterlassen uns nach 44 Minuten erschöpft wie nach einem schweißtreibenden Work-Out oder gutem Sex und dem anschließenden Verlangen nach mehr davon.

„Q“ ist ein unfassbar tolles Album, das dem Hörer sehr viel abverlangt, aber mit einer seltenen und außergewöhnlichen Erfahrung belohnt. Höchstwertung!

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Mike Stern - Jeff Lorber Fusion: Eleven

Auf den ersten Blick wirkt ein gemeinsames Album von Mike Stern und Jeff Lorber wie der Zusammenprall zweier völlig unterschiedlicher Welten: Hier der Fusion-Keyboarder Lorber, der in kalifornischen Studios am Fließband radiotauglichen Smooth Jazz raushaut, dort der New Yorker Gitarren-Wizard, der schon in jungen Jahren mit Miles Davis und Jaco Pastorius spielte und für seine eigenen Projekte seit Jahrzehnten mit Grammy-Nominierungen überhäuft wird.

Dabei verbindet die beiden nicht nur die häufige Zusammenarbeit mit denselben Musikern wie z.B. den Brecker Brothers, sondern auch die Herkunft von der Ostküste (Boston und Philadelphia). Und schon Anfang der 70er Jahre dürften sich die fast Gleichaltrigen (November 1952 zu Januar 1953) im Berklee College of Music über den Weg gelaufen sein.

Initiiert wurde das Projekt von Jimmy Haslip, der seit einigen Jahren mit Lorber zusammenarbeitet und Stern aus seiner Zeit als langjähriger Bassist von Yellowjackets kennt. Mit Unterstützung einiger Top-Session-Drummer (Dave Weckl, Gary Novak, Vinnie Colaiuta) entstanden in Lorbers JHL Sound Studio in Pacific Palisades die zehn Tracks von „Eleven“. Beide steuerten jeweils fünf eigene Kompositionen bei, die zum Teil von früheren Soloalben bekannt sind.

Das Resultat der Sessions ist ein exzellentes Fusion Jazz-Album, das die unterschiedlichen musikalischen Persönlichkeiten im wahrsten Wortsinn fusioniert. Im Opener „Righteous“, einem infektiösen „funky jam“ im klassischen Lorber-Stil, spielt Stern wunderschöne warme Noten über die bridge, während Lorber auf dunklen, schweren Bluesnummern von Stern („Jones Street“, „Slow Change“) kraftvoll schweineorgelt oder kantige Pianosoli vom Stapel lässt. Großartig und unbedingt erwähnenswert sind auch die Horn-Arrangements von Dave Mann, die etliche Tracks veredeln.

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