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The wild adventures of the fabulous Queers - das SchwuZ in Berlin!

LCavaliero, Künstlerischer Leiter* des SchwuZ in Berlin, erzählt im Interview, was das Schwuz für die LGBTQIA-Szene in Berlin bedeutet und mit welchen Schwierigkeiten es seit der Corona Pandemie zu kämpfen hat.

 

Wie heißt du und was ist deine Position im SchwuZ?

Mein Name ist LCavaliero Mann und ich bin der Künstlerische Leiter* des SchwuZ.

 

Erkläre in maximal 3 Sätzen das SchwuZ für Menschen, die noch nie dort gewesen sind.

Das SchwuZ (kurz für SchwulenZentrum) ist ein queerer Club in Berlin Neukölln. Wir veranstalten in den ehemaligen Räumen einer Brauerei ein vielfältiges Programm – von Lesungen, Konzerten, Talks & Diskussionsrunden, Shows & Konferenzen, bis hin zu einer breiten Palette an Party-Formaten. Dabei feiern wir in erster Linie queere Künstler_innen, Kultur & die Community.

 

» [...] queere Künstler_innen [bekommen] viel zu selten andernorts die Möglichkeit Ihre Kunst und damit auch queere Inhalte zu präsentieren.«

 

Welche Bedeutung hat das Kulturzentrum für die LGBTQIA-Community?

Das SchwuZ ist ein wichtiger Freiraum für die queere Community in dem wir ohne Angst vor weiteren Diskriminierungen, die im Alltag leider immer noch auf täglicher Basis geschehen, uns frei entfalten und empowern können. Auf der SchwuZ-Bühne präsentieren wir hauptsächlich großartige queere Künstler_innen und auch viele Frauen (ob queer oder nicht). Einerseits bekommen queere Künstler_innen viel zu selten andernorts die Möglichkeit Ihre Kunst und damit auch queere Inhalte zu präsentieren. Andererseits ist das SchwuZ dadurch inspirierend für die Community, schafft queere Vorbilder und fördert den Nachwuchs, denn der bekommt bei uns auch viel Raum.

 

 

Wenn das SchwuZ ein Buch wäre, wie würde es heißen und was würde dort zu lesen sein?

The wild adventures of the fabulous Queers. Das SchwuZ wurde vor 43 Jahren als Aktionszentrum & Treffpunkt für und von Schwulen aus der schwulen Emanzipationsbewegung heraus gegründet. Nach vier Umzügen und viel Bewegung in der Zielsetzung, sind wir mittlerweile ein queerer Ort - also viel inklusiver. Das SchwuZ ist sehr lebendig und erfindet sich immer wieder neu. Das geht nur mit all den großartigen Menschen die das SchwuZ seit Jahrzehnten mit Leben füllen, es mit gestalten und auch wie wieder jetzt gerade durch existenzbedrohende Zeiten bringen. Von all diesen Abenteuern, lustigen wie dramatischen Geschichten und Krisen und kultürlich auch von denen die hier nachts in 40 Jahren SchwuZ-Geschichte geschehen sind und geschehen werden würde in diesem Buch zu lesen sein.

 

»Seit Monaten fehlt die Möglichkeit sich mit der queeren Wahlfamilie zu treffen.«

 

Was sind die größten Auswirkungen der Corona Pandemie auf das SchwuZ?

Das SchwuZ fehlt vor allem als Begegnungsort für  die LGBTQIA-Community. Das hat langfristig psychologische Auswirkungen deren Schwere zwar noch wenig Thema ist, die aber meiner Meinung nach, nicht unterschätzt werden darf. Viele Queers kommen ins SchwuZ, um sich von der heteronormativen Restrealität und den vielen täglichen Diskriminierungen zu erholen und sich ohne Gefahr fallen lassen zu können. Im Gegensatz zur Realität draußen werden Queers im SchwuZ nicht angegafft, angegriffen, objektiviert, exotisiert oder pathologisiert. Hier können Schwule, Lesben und trans*- & inter*geschlechtliche Menschen sich hemmungslos küssen, miteinander tanzen und sich in einem offenen und respektvollen Umfeld begegnen. Hier müssen wir uns nicht erklären, rechtfertigen oder anpassen. Für viele Queers die z.B. ungeouted sind oder auf dem Land leben, sind Orte wie das SchwuZ emotional deswegen besonders wichtig, auch um andere Queers zu treffen, sich zu verlieben oder auch einfach nur, um sich für eine Nacht lang gesehen und für die eigene Identität gewertschätzt und geachtet zu fühlen. Seit Monaten fehlt all das. Seit Monaten fehlt die Möglichkeit sich mit der queeren Wahlfamilie zu treffen. Und seit März haben viele der über 200 Künstler_innen die wir sonst monatlich buchen keine Bühne mehr. Ich fürchte, dass je länger die Krise dauert, desto mehr geht auch an vorhandener Kreativität und Kunst kaputt. Viele Queers kämpfen durch die Krise vermehrt mit Depressionen und Angstzuständen. Das finde ich alles dramatisch und schlimm.

 

 

Welche Maßnahmen können dem SchwuZ für eine sichere Zukunft helfen?

 In erster Linie bräuchten wir eine Überbrückungsfinanzierung, die den Raum finanziell absichert und die rund 100 Arbeitsplätze sichert. Viele Queers die bei uns arbeiten, lieben das SchwuZ auch deswegen, weil wir mit flachen Hierarchien von der Organisationsstruktur her auch viel Partizipation ermöglichen können. Das finde ich schützenwert, denn ich kenne nicht viele Orte, die dermaßen partizipativ gestaltet sind. Es würde uns also am meisten helfen, wenn wir finanziell abgesichert wären. Das funktioniert nicht nur über Kredite oder Kurzarbeiter_innengeld. Es braucht eine langfristige Gewährleistung einer finanziellen Unterstützung von Bund und Senat, die wir nicht komplett zurückzahlen müssen und falls die Krise noch länger gehen sollte auch gar nicht alleine stemmen können. Ins SchwuZ kommen Menschen aus ganz Europa und vor allem auch aus den hintersten Zipfeln Deutschlands. Außerdem hilft uns jede Spende gerade den Zeitpunkt an dem wir nicht mehr können, hinaus zu zögern. Dieser Ort ist für viele Menschen wirklich wichtig. Er darf nicht verschwinden.

 

»Ich wünsche mir, dass es weitergeht und dass das SchwuZ dabei seine schöne und unbeschwert queere Seele behalten kann [...]«

 

Was wünschst du dir persönlich für die Zukunft des SchwuZ?

Ich wünsche mir gerade in erster Linie, dass wir überleben und nicht zu sehr in unserer Arbeit zurückgeworfen werden. Ich fürchte, dass wir durch die vielen Schulden die wir gerade machen, nicht mehr gleichermaßen barrierearm weiter arbeiten können. Ins SchwuZ konnten bislang auch sehr viele Menschen, die nicht viel Geld zur Verfügung haben, gehen. Ich fürchte auch, dass wir uns einschränken müssen, wen wir fördern und für wen das Programm ist was wir machen. Das SchwuZ gilt als einer der inklusivsten Clubs überhaupt. Auch im Programm spiegelt sich diese Diversität und Vielfalt wieder. Das finanzielle Damokles-Schwert, welches über uns schwebt und droht all das zu zerstören muss also weg. Ich wünsche mir, dass es weitergeht und dass das SchwuZ dabei seine schöne und unbeschwert queere Seele behalten kann und wir für unsere Arbeit als Kulturbetrieb auch strukturell anerkannt werden.

 

Infos zur aktuellen Situation und den Spendenmöglichkeiten gibt es auf www.schwuz.de

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