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Mitarbeiterrezension

Rezensionen aus dem Jazz-Newsletter

Aus den vielen neuen Platten hat unser Mitarbeiter Stefan Schmidt für den aktuellen JAZZ-NEWSLETTER seine persönlichen Favoriten herausgepickt und rezensiert. Mit dabei sind außerdem Konzerttipps und einige Empfehlungen für Jazz-Sendungen im Radio. 


Alle Tracks, die wir Ihnen in diesem Newsletter empfehlen, finden Sie noch einmal gesammelt in DIESER PLAYLIST.

   

Branford Marsalis Quartet: The Secret Between The Shadow And The Soul

Branford Marsalis, bekanntester Spross von New Orleans‘ „First Family Of Jazz“, hat in seiner Musikerlaufbahn schon fast alles durch: Jazz in jedweder Form, Popmusik mit Sting oder Tina Turner, Soundtracks, klassische Musik mit Kammerorchester und Bandleader in Talkshows. Die Konstante in seiner Karriere ist jedoch die Arbeit im Branford Marsalis Quartet.

Die jetzige Formation spielt seit 2009 zusammen, als Drummer „Tain“ Watts durch den formidablen Justin Faulkner ersetzt wurde. Bassist Eric Revis und Pianist Joey Calderazzo sind seit mehr als zwanzig Jahren im Boot. Eine fünftägige Pause im Tourplan Ende Mai 2018 in Melbourne nutzten die Musiker, um das Material aufzunehmen, das soeben unter dem Titel „The Secret Between The Shadow And The Soul“ veröffentlicht wurde.

Die sieben Tracks, zwischen 6 und 12 Minuten lang, fünf davon Eigenkompositionen, spannen einen Bogen von lyrischer Ballade („Conversation Among The Ruins“) bis zum fokussierten Chaos im Opener „Dance Of The Evil Toys“: einer instrumentalen Treibjagd, die schon beim Zuhören atemlos macht. Höhepunkt ist das 12-minütige „The Windup“: eine frühe Keith Jarrett-Nummer, die mit begeisternder Spielfreude und telepathischem Verständnis umgesetzt wurde.

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The Comet Is Coming: Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery

Take your protein pills and put your helmet on.

Dass der britisch-karibische Saxofonist Shabaka Hutchings zu den wichtigsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Jazz zählt, ist spätestens seit dem zweiten Sons Of Kemet-Album 2015 zu einem Mantra dieses Newsletters geworden. Mittlerweile hat nicht nur die internationale Fachpresse, sondern auch das deutsche Feuilleton die erstaunlichen Vorgänge in der Londoner Jazzszene bemerkt, deren Leuchtturm Hutchings nicht nur wegen seiner Körpergröße ist. Mit dem neuen Album der Formation „The Comet Is Coming“ liegt jetzt das dritte bahnbrechende Werk mit seiner Beteiligung innerhalb der letzten zwölf Monate vor.

Analoge Roland Synthesizer und Drum Computer, bedient von Musikern mit den Künstlernamen Danalogue und Betamax, sind nicht unbedingt das, was der geneigte Hörer mit einem Jazz-Trio assoziiert. Zwar bildet Hutchings' Saxofon-Staccato das Zentrum der neun Tracks, es wird aber umspült von einer Soundbrandung aus Electronica, Dub, Psychedelia oder gar Krautrock. Nach verhaltenem Beginn wird spätestens mit dem dritten Track „Summon The Fire“ richtig Fahrt aufgenommen. Pulsierende Rhythmen und muskulöses Saxofon bereiten den Boden für das achtminütige Herzstück „Blood Of The Past“, einem rollenden Monstertrack, in dessen Zentrum die Rap-Lyrikerin Kate Tempest mit metallisch verzerrter Stimme den einzigen vokalen Part des Albums beisteuert.

The Comet Is Coming pulverisiert konventionelle Jazz-Ästhetik und wagt sich in die extrem dünne Luft ko-existierender Sounds, Klänge und Strukturen aus verschiedensten musikalischen Galaxien vor, mit dem Ziel, ein Bewusstsein für neue Realitäten zu schaffen. Take your protein pills and put your helmet on.

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Snarky Puppy: Immigrance

Snarky Puppys Musik ist modern, komplex und zugänglich auch für Hörer*innen, die bisher nicht wussten, dass sie Jazz mögen (können).

Das texanische Musikerkollektiv Snarky Puppy ist ein singuläres Phänomen im gegenwärtigen Musikbetrieb. Die lose Formation, die sich für Tourneen oder Studioaufnahmen aus einem Pool von ca. drei Dutzend Instrumentalisten bedienen kann, ist zu groß für eine reguläre Jazzrock-Band, aber nicht groß genug für eine Bigband, zu „rockig“ für reine Jazzbühnen, aber selbst für die Jam-Band-Fraktion (Dave Matthews Band et al) zu jazzig.

Trotz Grammy Awards pflegen sie einen Do It Yourself-Ethos und veröffentlichen das Gros ihrer Alben in Eigenregie. So kann man auf ihrer Website zum Beispiel einen Box-Set mit 32 CDs erwerben, auf dem 16 komplette Konzerte ihrer 2015er Welttournee dokumentiert sind.

Erfreulicherweise gibt es nun wieder mal ein herkömmlich vertriebenes neues Studioalbum, das die außergewöhnlichen Fähigkeiten dieses Kollektivs in knapp 55 Minuten bündelt. Snarky Puppy-Tracks fließen in der Regel über einem massiven Groove und schichten darauf kunstvoll sich verzweigende Instrumentalspuren. Oft köcheln diese Mischungen lange auf mittlerer Flamme, um schließlich in einem brodelnden Finale ihr volles Aroma zu entfalten.

„Immigrance“ ist im Vergleich zu früheren Alben fokussierter, weniger überbordend, aber noch immer ein Füllhorn von Sounds und Rhythmen. Atmosphärische Titel wie „Coven“ (erinnert an den späten Miles Davis) verschaffen den Hörer*innen Atempausen zwischen Energieschüben, wie dem Opener „Chonks“, einem deftigen Funk-Hammer oder dem neunminütigen „Xavi“, einer begeisternden Latin-Jazzrock-Abfahrt. Immer wieder injiziert die Truppe überraschende Details, seien es arabische Skalen oder ein Gitarrenpart wie aus einem Spaghetti-Western.

Snarky Puppys Musik ist modern, komplex und zugänglich auch für Hörer*innen, die bisher nicht wussten, dass sie Jazz mögen (können).

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Dwight Trible: Mothership

We are Family!

Dwight Trible ist wahrscheinlich einer der unbekanntesten bekannten Jazzsänger dieses Planeten. Seit Jahrzehnten aktiv in der Jazz Community von Los Angeles, arbeitete er mit Pharoah Sanders, Charles Lloyd oder Bobby Hutcherson, war vocal director des Pan-Afrikan Peoples Arkestra von Horace Tapscott und unlängst auf beiden Alben von Kamasi Washington zu hören.

Gesegnet mit einer sensationellen, nahezu unvergleichlichen Gesangsstimme, die mühelos alle Facetten von Tenor und Bariton umfasst, ist Trible ein perfekter Interpret für spirituell geprägten Souljazz im Stil des legendären Leon Thomas. Jetzt nimmt uns Dwight Trible auf einen 70-minütigen Trip mit in das Mutterschiff und meint damit nicht unbedingt ferne Galaxien, sondern die gemeinsame Verbundenheit aller Lebensformen. We are Family!

Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Album, ob in der super-intensiven Version "Brother Where Are You?" von Oscar Brown Jr. oder einer bluesigen Fassung von Donny Hathaways Dankeshymne "Thank You Master". Gänsehaut verursacht Tribles Eigenkomposition "Desert Fairy Princess", einer Ode an seine Angebetete, die in einem Meer aus Viola, Harfe und Piano versinkt.

Familiär ist offensichtlich auch die Interaktion der großartigen Musiker, obwohl verschiedene Generationen und Backgrounds am Start waren. Keyboarder Mark De Clive-Lowe hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten in allen erdenklichen Spielarten zwischen Jazz, Funk und elektronischer Clubmusik gearbeitet. Der Schlagzeuger Ramses Rodriguez kommt aus der kubanischen Schule, während Bassist John B. Williams schon in den 60ern mit Horace Silver oder Dizzy Gillespie spielte. Im Titelstück steuert auch Kamasi Washington ein ungewohnt kontrolliertes Solo bei.

„Mothership“ ist musikalisch und inhaltlich ein zutiefst berührendes, aufwühlendes Album.

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Konzerttipp des Monats

17. April 2019, 20:00 Uhr | 4 Wheel Drive | ACT JazzNights | Kammermusiksaal Philharmonie Berlin

Der Begriff „Supergroup“ ist reichlich überstrapaziert, im Falle von 4 Wheel Drive aber mehr als angebracht. Bei diesem neuen Projekt handelt es sich um Michael Wollny, Nils Landgren, Wolfgang Haffner und Lars Danielsson - also der Creme de la Creme der deutsch-skandinavischen Jazz-Elite. Selbstverständlich hatten die Herren als langjährige Künstler des ACT-Labels schon häufiger miteinander zu tun, aber als gleichberechtigte vier Räder ein und desselben Gefährts waren sie noch nie zusammen unterwegs.

Soeben ist ihr Album erschienen, auf dem sie große Popmusiker würdigen, die selbst Piano, Bass oder Schlagzeug spielen: Sting, Paul McCartney, Billy Joel und Phil Collins. Deren Songs kommen auf dem Album teilweise arg poppig daher, live dürfte es aber ganz anders zur Sache gehen. Vier Maestros des europäischen Jazz zusammen auf einer Bühne sieht man nicht alle Tage und ich gehe schon alleine wegen Drummer Wolfgang Haffner hin. Der ist nie weniger als sensationell!

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