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Mitarbeiterrezension

Persönlich empfohlen: Tipps aus dem Jazz-Newsletter

Aus den vielen neuen Platten hat unser Mitarbeiter Stefan Schmidt für den aktuellen JAZZ-NEWSLETTER seine persönlichen Favoriten herausgepickt und rezensiert. Mit dabei sind außerdem Konzerttipps und einige Empfehlungen für Jazz-Sendungen im Radio. 


Alle Tracks, die wir Ihnen in diesem Newsletter empfehlen, finden Sie noch einmal gesammelt in DIESER PLAYLIST.

   

Abdullah Ibrahim: The Balance

Ibrahims Schaffenskraft ist ungebrochen und die Qualität seiner Musik auf allerhöchstem Niveau.

Der südafrikanische Pianist Abdullah Ibrahim ist eine lebende Legende. Mandela nannte ihn „unseren Mozart“ und sein wohl bekanntestes Stück „Mannenberg“ gilt als inoffizielle Nationalhymne Südafrikas. Geboren 1934 in Kapstadt, spielte er nach seiner Übersiedlung ins US-amerikanische Exil 1962 noch mit Duke Ellington, John Coltrane, Ornette Coleman oder Max Roach. Wenn auch die Pausen zwischen den Veröffentlichungen mittlerweile etwas länger geworden sind (sein letztes Album erschien Ende 2014), ist Ibrahims Schaffenskraft ungebrochen und die Qualität seiner Musik auf allerhöchstem Niveau.

Abdullah Ibrahims aktuelles Album „The Balance“, aufgenommen an einem einzigen Tag (!) im November 2018 in den Londoner RAK Studios, kombiniert alte und neue Stücke nach dem Ellington’schen Prinzip, alte Songs wie neu klingen zu lassen und neue Songs, als wären sie lange vertraut. Begleitet wird er von seiner langjährigen Formation EKAYA mit Noah Jackson am Bass und Cello und dem Schlagzeuger Will Terrill. Außerdem ist eine vierköpfige Bläsersektion dabei, bestehend aus drei Saxophonen plus Posaune, wobei Cleave Guyton zu meinem Vergnügen zusätzlich Flöte und sogar Piccolo spielt.

Zu hören gibt es die volle Palette, von Township Jazz („Jabula“) über swingenden Bop (Monk’s „Skippy“, die einzige Fremdkomposition), Slow Blues (der großartige Opener „Dreamtime“) bis hin zur Ballade („Song For Sathima“). In den drei kurzen Solo-Piano-Stücken schwingen die großen Vorbilder Duke Ellington und Monk mit. Generell sind die Stücke eher kurz, die Soli kommen sofort auf den Punkt. Beeindruckend auch die Klangqualität: klar, lebendig, rund und ausgewogen. Das Plattenlabel Gearbox (mehr dazu vielleicht im nächsten Newsletter) ist audiophil ausgerichtet und das hört man hier deutlich.

Dieses Album verursacht, zumindest bei mir, Glücksgefühle.

Das große Geschenk dieser Musik, jenseits seiner spieltechnischen und klanglichen Brillanz, liegt aber in der Ausstrahlung von totaler Harmonie, die für den Hörer physisch spürbar ist. Dieses Album verursacht, zumindest bei mir, Glücksgefühle. Abdullah Ibrahim nennt es Einfachheit in der Komplexität, den natürlichen Rhythmus des Universums. Mehr kann man nicht sagen.

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Nérija: Blume

Es gibt diese Alben, die den Hörer von der ersten Sekunde an mitnehmen auf eine Reise in die künstlerische Vision einer Formation.

Eine kleine Bläsersektion intoniert ein Thema, das auf keinem klassischen Blue Note-Album fehl am Platze wäre, delikat akzentuierte Drums und rumpelnde Bassnoten addieren karibisches Flair und nach 90 Sekunden erhebt sich die strahlende Trompete von Sheila Morris-Grey zu einem ersten Solo.

Willkommen in der Welt von Nérija! Das Londoner Septett vereint mit den Saxofonistinnen Nubya Garcia und Cassie Kinoshi, der Posaunistin Rosie Turton und besagter Sheila Morris-Grey vier hochtalentierte junge Musikerinnen, die schon mit eigenen Projekten und in anderen Formationen aufgefallen sind. Hinzu kommt die frisch und unkonventionell aufspielende Gitarristin Shirley Tetteh, die flexibel und luftig trommelnde Schlagzeugerin Lizy Exell sowie der stoisch groovende Kontrabassist Rio Kai.

Nérijas Jazz ist warm, positiv, mit ausgeprägtem Gespür für Melodien, trotzdem komplex und subtil verschachtelt. Bei all der Vielzahl solistischer Exkursionen ist der Bandsound immer präsent und sehr kompakt. Gemeinschaft, das Spielen im Kollektiv, ist ein offensichtlich zentrales Anliegen der Musikerinnen, denn auch das Repertoire besteht aus Kompositionen aller Beteiligten.

Unbedingt hören!

Es gibt diese Alben, die den Hörer von der ersten Sekunde an mitnehmen auf eine Reise in die künstlerische Vision einer Formation. Die 55+ Minuten des Albums vergehen wie im Flug, ohne irgendeine überflüssige Note. Atemberaubende Musik, die in ihrer Modernität erstaunlicherweise ohne jedwede elektronische Spielerei (Keyboards, Samples etc) auskommt. Unbedingt hören!

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Jacob Karlzon: Open Waters

Für uns Hörer birgt jede neu gehörte Musik die Möglichkeit, sich treiben zu lassen, einzutauchen in Klänge und Rhythmen.

Sich ins offene Wasser zu wagen ist eine zentrale Erfahrung für praktizierende Jazzmusiker. Improvisation führt den Instrumentalisten weit hinaus Richtung Horizont, voller Neugier und dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Aber auch für uns Hörer birgt jede neu gehörte Musik die Möglichkeit, sich treiben zu lassen, einzutauchen in Klänge und Rhythmen.

Wer den schwedischen Pianisten Jacob Karlzon live erlebt hat, weiß um die Begeisterung, mit der sich der begnadete Musiker in ausufernde Exkursionen (im positiven Sinne) stürzt - unlängst erst mit Lisa Bassenge und Andreas Lang in der Bar jeder Vernunft. Karlzon ist ein mit allen Wassern gewaschener Profi, der kaum einem Stil oder Genre abgeneigt scheint. Er ist Pianist der Wahl für die Crème skandinavischer Sängerinnen (Tolstoy, Nergaard, Norby), spielte mit Größen wie Billy Cobham oder Kenny Wheeler und veröffentlicht seit 20 Jahren eigene Alben.

That’s Jazz!

Im neu zusammengestellten Trio mit dem dänischen Bassisten Morten Ramsbol und dem Schlagzeuger Rasmus Kihlberg spielte Karlzon Anfang des Jahres die neun Eigenkompositionen für „Open Waters“ ein. Ungewohnt lyrisch wie auf sanften Wellen bewegt sich die Melodie im eröffnenden Titelstück, die Besen des Drummers knirschen wie Kiesel unter den Füßen. Energisch und zupackend zeigt sich das Trio vor allem in der Mitte des Albums bei „Slave to Grace“ oder dem wuchtigen Funk-Rock von „Look What You Made Me Do“. Gelegentlich wirkt Karlzons Spielfreunde etwas ungebremst. „Motion Picture“ erinnert eher an Keanu Reeves‘ „Speed“ als an Kopfkino. Versöhnlich endet das Album mit „Note to Self“, einer kurzen Reflektion am Klavier, einem Blick nach innen, entstanden in zwanzig Minuten, unmittelbar im Studio. That’s Jazz!

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Compilation Sunny Side Up

Überraschender und höchst willkommener Blick auf die lebendige und vielversprechende Jazz-Community des fünften Kontinents.

Glaubt man den Expertisen der britischen Economist-Gruppe, so war Melbourne in diesem Jahrzehnt die lebenswerteste Metropole unseres Planeten. Mittlerweile hat die Stadt den sieben Jahre in Folge behaupteten Spitzenplatz zwar an Wien abgeben müssen, aber der Mix aus guter Infrastruktur, gesunden Lebensumständen und nicht zuletzt kulturellen Angeboten ist weiterhin top.

Wie klingt nun Jazz unter solch vermeintlich komfortablen Umständen? Eine Teilantwort auf diese Frage liefert uns die unlängst erschienene Compilation „Sunny Side Up“. Das für die Veröffentlichung verantwortliche britische Label Brownswood folgt dabei dem Strickmuster seines bahnbrechenden Albums „We Out Here“ über den aktuellen Londoner Jazz-Boom. Abermals konzentriert man sich auf eine überschaubare, gut vernetzte Szene, die mit mannigfaltigen personellen Verflechtungen in verschiedenen Projekten miteinander musiziert. Zugpferd der Bewegung ist die Band Hiatus Kaiyote: Eine bunte Truppe, deren wüster Mix aus Jazz, Funk, Prog-Rock und diversen Afro-Latin-Einflüssen es bis zur Grammy-Nominierung schaffte.

Die neun Tracks des Albums entstanden im Laufe einer Woche in einem privaten Anwesen mit Heimstudio namens „The Grove“ im Melbourner Vorort Coburg - eine Produktionsweise, die dem Ganzen ein Flair von Hausparty verleiht. Die meist 6-8 minütigen Stücke zeugen von einem undogmatischen Jazzverständnis, das sich wie selbstverständlich bei Neo-Soul, Deep House oder Samba bedient. Die beteiligten Musiker weisen sich aber auch als gelehrige Schüler des kosmischen Jazz Funk eines Lonnie Liston Smith oder des spirituellen Ethno Jazz von Don Cherry („Brown Rice“) aus.

Meine Highlights sind der Opener „Banksia“ des Perkussionisten Phil Stroud, eine psychedelische Meditation in modalem Jazz mit Harfe und einem Killer-Thema von Saxophon und Posaune, sowie die fast 9-minütige leichtfüßige Jazz-Samba „Eternal/Internal Peace“ des Saxophonisten Silentjay Abapo.

„Sunny Side Up“ ist ein überraschender und höchst willkommener Blick auf die lebendige und vielversprechende Jazz-Community des fünften Kontinents.

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Konzerttipp des Monats

Avishai Cohen Trio | Freitag, 27. September, 20:00 Uhr | Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin

Vorsicht Verwechslungsgefahr! Den Namen Avishai Cohen tragen gleich zwei Protagonisten des neueren Jazz. Wir sprechen heute über Avishai Cohen, den Bassisten, der seit zwanzig Jahren Publikum und Fachleute gleichermaßen begeistert.

Erste Meriten erwarb er sich in den 90er Jahren nach seiner Übersiedlung aus Israel nach New York in den Formationen von Chick Corea oder Danilo Perez. Mit seinem eigenen Trio produzierte er nicht nur herausragende Alben wie „Gently Disturbed“ oder „Seven Seas“, sondern beförderte auch die Karrieren junger Musiker wie Shai Maestro oder Mark Guiliana.

Der virtuose Musiker Cohen (selbst ein passabler Pianist) benutzt Form und Struktur des Jazz und integriert dann seine Einflüsse aus osteuropäischer Melodik, arabischer Rhythmik und mediterranen Klängen zu einem außergewöhnlichen Gesamtbild.

Ende September gibt es im Kammermusiksaal der Philharmonie die Gelegenheit, Avishai Cohen mit seinem neuen Trio und dem Programm zu seinem aktuellen Album „Arvoles“ live zu erleben. Seine beiden Begleiter sind der fantastische Schlagzeuger Noam David und der aserbaidschanische Ausnahme-Pianist Elchin Shirinov.

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