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Mitarbeiterrezension

Rezensionen aus dem Jazz-Newsletter

 

Aus den vielen neuen Platten hat unser Mitarbeiter Stefan Schmidt für den aktuellen JAZZ-NEWSLETTER seine persönlichen Favoriten herausgepickt und rezensiert. Mit dabei sind außerdem Konzerttipps und einige Empfehlungen für lohnende Jazz-Sendungen im Radio. 


Alle Tracks, die wir Ihnen in diesem Newsletter empfehlen, finden Sie noch einmal gesammelt in DIESER PLAYLIST.

   

Manu Katché: The Scope

Manu Katché kennt keine stilistischen Grenzen, wenn nur der Groove stimmt. Seine kraftvollen, präzisen Beats veredeln Alben von so unterschiedlichen Musikern wie Nigel Kennedy oder Jan Garbarek, ganz zu schweigen von seiner Arbeit mit der Rock-Elite von Sting bis Peter Gabriel. Auch als Solokünstler ist der französische Drummer erfolgreich – seine vier ECM-Alben zählen zu den meistverkauften Titeln des renommierten Labels.

„The Scope“ heißt sein aktuelles Album und die Vieldeutigkeit dieses Begriffs findet eine perfekte Entsprechung in der Musik. Spielraum, Tragweite, Entfaltung, ein Geltungsbereich mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten – so sieht das Konzept eines musikalischen Freidenkers aus.

Wegweisend ist schon der erste Track „Keep Connexion“. Ein programmierter Beat häutet sich nach einigen Sekunden zu einem Groove-Monster, getrieben von Katchés prägnanten Drums, einem melodischen Bass-Lauf und einer Fusion-Jazz-Gitarrenfigur, die von einer afrikanischen Kora aufgegriffen und weitergesponnen wird. Nennenswert ist auch „Overlooking“, ein Flamenco-Jazzrock mit hymnischem Gitarrenmotiv und einem inspirierten Pianosolo.

Gespannt sein darf man darauf, wie in den anstehenden Konzerten die verschiedenen Gastvokalisten kompensiert werden, denn die Beiträge des senegalesischen Rappers Faada Freddy oder der amerikanischen Folksängerin Jonatha Brooke zählen zu den Höhepunkten dieses äußerst gelungenen, vielleicht etwas kurz geratenen Albums.

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Caecilie Norby: Sisters in Jazz

ACT-Chef Siggi Loch wird nicht umsonst eine symbiotische Beziehung zu seinen Künstler*innen nachgesagt. Die dänische Sängerin Caecilie Norby zum Beispiel sinnierte wohl seit längerem darüber, nach Jahrzehnten des Musizierens in männerdominierten Formationen ein Projekt mit Musikerinnen ins Leben zu rufen, als Siggi Loch ihr genau diesen Vorschlag unterbreitete.

Die Wunschbesetzung war schnell gefunden. Aus Italien kam die international bekannte Pianistin Rita Marcotulli, mit der norwegischen Trompeterin Hildegunn Oiseth hat Norby schon zusammengespielt und die Saxofonistin Nicole Johänntgen kannte sie von deren Arbeit mit Norbys Ehemann Lars Danielsson. Als Rhythmusgruppe fungieren die junge deutsche Bassistin Lisa Wulff, die selbst ein eigenes Quartett leitet und die polnische Schlagzeugerin Dorota Piotrowska. Sechs Musikerinnen aus sechs verschiedenen europäischen Ländern im Alter von 28 bis 59 Jahren also.

Auch das Repertoire ist zu 100% weiblich. Neben drei Eigenkompositionen wird den großen Namen gehuldigt: Betty Carter, Nina Simone, Abbey Lincoln, Rickie Lee Jones, Carole King und natürlich Joni Mitchell (mit zwei Songs). Aufgenommen wurde in Kopenhagen, gespielt wurde live im Studio und oft reichte schon der erste „take“.

Der Begriff „Spielfreude“ ist zwar überstrapaziert, aber hier passt er wie die Faust aufs Auge. Selbst bei Balladen wie Bonnie Raitts „All At Once“ mit federleichtem Piano und dezenten Bläsern kann ich hinter der Musik die strahlenden Gesichter der Musikerinnen sehen. Und astreine Jazz-Nummern wie „Droppin‘ Things“ servieren die Ladies mit ansteckender Begeisterung. Hochgradiges Hörvergnügen!

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Gegen die Zutatenliste und bunte Vielfalt dieses Albums sieht ein Ottolenghi-Gericht wie Pommes mit Mayo aus.

A Day In The Life: Impressions Of Pepper

Was für ein schönes Rezept: Man nehme mit „Sergeant Pepper“ von den Beatles den Goldstandard innovativer Popmusik und addiere dazu die Crème de la Crème der aktuell interessantesten Musiker des Planeten Jazz. Herausgekommen, so viel schon mal vorweg, ist eine extrem schmackhafte Paella, gegen deren Zutatenliste und bunte Vielfalt ein Ottolenghi-Gericht wie Pommes mit Mayo aussieht.

Es versteht sich bei dem Aufgebot der Beteiligten von selbst, dass hier nicht sklavisch gecovert wird. Das allseits bekannte Material dient hier nur als Blaupause und Inspiration für abenteuerlich eigenständigen Jazz, der die Originale als Abschussrampe für eigene Kreativität nutzt.

Ein paar Appetithäppchen seien hier willkürlich herausgegriffen. Die Formation um den Drummer Makaya McCraven aus Chicago behandelt „Lucy in the Sky with Diamonds“ anfangs mit getupftem Vibraphon wie ein rohes Ei, um es im Finale dann zu schlachten. Der britische Saxofonist Idris Rahman bläst mit seinem Trio Wildflower „Getting better“ zu einem Tornado an Tönen auf und die New Yorker Harfenistin Brandee Younger verwandelt „Being for the Benefit of Mr. Kite!“ mit Flöten und Trompeten in ein Alice Coltrane-inspiriertes Spiritual-Jazz-Stück.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien noch einige der beteiligten Musiker erwähnt: Brachial-Bassist Miles Mosley und Pianist Cameron Graves arbeiten ansonsten mit Kamasi Washington (Miles metzelt hier „Lovely Rita“). Mit dem Onyx Collective und Juju Exchange hören wir zwei junge amerikanische Formationen und auch der allgegenwärtige britische Saxofonist Shabaka Hutchings hinterlegt seine Visitenkarte.

Fazit: Unabhängig von seinem Konzept funktioniert „A Day In The Life: Impressions Of Pepper“ als Wegweiser zu den spannendsten neuen anglo-amerikanischen Jazzern und schüttet ein Füllhorn abgefahrener Musik über den geneigten Hörer. Und Beatles-Fans mit offenen Ohren und Herzen dürfen staunen, was sich aus fünfzig Jahre alten Popklassikern machen lässt.

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Joe Lovano: Trio Tapestry

Obwohl das Saxofon-Schwergewicht Joe Lovano eher mit dem swingenden Bop seiner diversen Veröffentlichungen auf Blue Note assoziiert wird, besteht die Verbindung zu ECM Records seit fast vierzig Jahren. Auf Alben von John Abercrombie, Steve Kuhn und vor allem Paul Motian (meist im Trio mit dem Gitarristen Bill Frisell) bewies der ausdrucksstarke Saxofonist, dass er sich auch im speziellen klanglichen Ambiente von Manfred Eicher’s Produktionen behaupten kann.

Jetzt hievt Lovano die Beziehung zum Münchner Label auf die logische nächste Ebene und leitet mit dem Trio Tapestry die erste Session unter eigenem Namen. Seine beiden Mitstreiter sind alte Weggefährten: Schlagzeuger Carmen Castaldi stammt wie Lovano aus Cleveland und studierte mit ihm an der Berklee School of Music in Boston. Die Verbindung zur Pianistin Marilyn Crispell kam über gemeinsame Arbeiten mit Paul Motian.

Gongschläge und Beckenrascheln stehen am Anfang des Albums und was dann folgt, ist eine fünfzigminütige Forschungsreise ins Reich der zwölf Töne, die sich bis in dessen entlegenste Landschaften vorwagt. Wir reden hier nicht von Free Jazz, obwohl die Haltung der Beteiligten offen, spontan und freigeistig ist. Die Stimmung dieses außergewöhnlichen Werks ist eher meditativ, die Pausen zwischen den Stücken wirken wie ein Teil der Musik, die nominell 11 Tracks lassen sich wie eine durchgängige Komposition hören.

Die technische Qualität der Musik steht außer Frage. Lovanos Saxofon ist raumfüllend und opulent, Crispells Piano fantasievoll und unvorhersehbar, Castaldis Schlagzeug atmosphärisch. Verblüffend an diesem Album ist, dass all diese Kriterien und auch die kompositorische Leistung nebensächlich erscheinen. Im Zentrum steht die „seltene Schönheit des Ausdrucks“ (Lovano). Monumental!

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Konzerttipp des Monats

13. März 2019, 20:00 Uhr | Dhafer Youssef | Sounds Of Mirrors | Kammermusiksaal Philharmonie Berlin

Eines der Lieblingsalben der Kund*innen und Mitarbeiter*innen unserer Jazz-Abteilung war im letzten halben Jahr Dhafer Youssefs „Sounds Of Mirrors“. Der tunesische Oud-Virtuose spielt dort im Verbund mit dem Klarinettisten Husnu Senlendirici, dem Gitarristen Eivind Aarset und dem Tabla-Maestro Zakir Hussain eine rauschhafte World-Jazz-Mischung von entrückter Intensität und atemberaubender Präzision, wie man sie nur äußerst erlebt.

Jetzt gibt es die Gelegenheit, dieses Projekt auch live zu hören und zu sehen. Am 13. März 2019 spielt Dhafer Youssef im Kammermusiksaal der Philharmonie. An Stelle des unabkömmlichen Zakir Hussain spielt Stephane Edouard die Tabla.

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